Die Leichtigkeit des Laufens

Es ist Sonntag früh und der erste Blick aus dem Fenster lässt meinen Laufenthusiasmus rapide in den Keller fallen.
Schnee! Schon wieder Schnee!

Ich mag ja eigentlich alle Jahreszeiten, aber zum Laufen auf Schnee habe ich bisher noch nie den optimalen Schuh gefunden.
Irgendwie bin ich nicht so der Typ für Läufe im Schnee.
Zu schwer. Zu viel Kraft. Zu wenig Leichtigkeit!

Nachdem ich nun schon alles an Schuhwerk im Schnee ausprobiert habe, entschied ich mich heute für meine NB minimus trail. Wenn schon Training für die Beine, dann auch richtig!

Aber bereits nach wenigen Metern fühlte ich es.
Es war anders. Anders als sonst in diesem Winter.
Die minimus hatten richtig guten Grip.
Das Laufen fühlte sich einfach nur genial an.

Locker und langsam trabte ich in den Wald.
Kein Rutschen. einfach nur geniales Laufen.

Und nach zwei Kilometer war es dann da.
Das Laufen wie ich es mag.
Locker, flockig und ohne jegliche Anstrengung.

Eins mit der Natur. Eins mit dem Schnee.
Die weiße Pracht hüllt alles in eine gedämpfte Stille.
Lediglich ab und an schreit ein Vogel wenn ich sein Revier betrete.

Ansonsten einfach nur genießen.
Träumen!
Philosophieren!
Und die Zeit vergessen.
Noch einen kleinen Schlenker hier.
Und eine kleine Runde da.

Zufriedenheit.
Lockerheit.
Entspanntheit.

Leichtigkeit!

Ein Traum.
Ein Traum der leider nach 18 Kilometern ein wenig unsanft beendet wird. Der tiefe Schnee und der minimus fordern ihren Tribut.
Die Oberschenkelmuskulatur meldet sich.
Zeit nach Hause zurück zu kehren.

Nach einem lockeren Halbmarathon durch eine grandiose Traumlandschaft bin ich zufrieden und glücklich wieder zu Hause.
Ich werde von diesem Lauf wieder lange zehren können.
Vor allem von dieser Leichtigkeit!

Laufen ist auch nicht der Mittelpunkt des Lebens!

Ich liebe das Laufen, überhaupt keine Frage. Nachdem ich es leider erst vor ein paar Jahren so richtig kennengelernt habe, ist das Laufen ein Teil meiner selbst geworden. Ich genieße es meine Runden zu drehen und nachzudenken. Zu Philosophieren und zu Träumen. Über das Leben und die vielen Dinge die es uns bietet.
Aber nach meiner Krankheit habe ich alles in meinem Leben auf den Prüfstand gestellt und ein wenig hinterfragt.
Neben meiner Arbeit natürlich auch mein Freizeitverhalten.

Wenn man alles zusammenzählt habe ich nicht nur in Bezug auf meine Arbeit ein wenig überzogen, sondern auch in meinen sportlichen Aktivitäten. Die täglichen Fahrten mit dem MTB zur Arbeit und zurück. Ab und an das gleiche Pensum nicht mit dem Rad sondern mit den Laufschuhen.
Sehr frühes Aufstehen kurz vor 5:00Uhr und spätes Heimkommen nach 17:00Uhr. An den Wochenenden die langen Läufe.

Zu wenig Schlaf und zu viel Arbeit und Sport. Die Folgen sind ja bekannt!

Und aktuell?
Aktuell bin ich auf die öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen. Dies bedeutet nicht, dass ich nur noch zur Arbeit mit dem Bus fahre. Aber bei dem aktuellen Wetter fällt es mir erstaunlicherweise nicht schwer mich chauffieren zu lassen.
Als positiver Nebeneffekt kann ich Morgens ein ganze Stunde länger Schlafen.
Und dies genieße ich tatsächlich immer mehr.

Auf der Arbeit komme ich so langsam wieder in die Projektbearbeitung hinein. Aber auch hier in einem überschaubaren, und vor allem zu bewältigendem Ausmaß.
Ich bin wesentlich gelassener und entspannter bei der Arbeit.
Der Umfang steht in keinem Verhältnis zu dem vorher. Hier wundert es mich im Nachhinein dass ich so lange durchgehalten habe. :wacko:

So, und was mache ich nun mit der gewonnen Zeit?
Sport?
Nein!

Auch meinen Sport mache ich nun viel bewusster und entspannter. Wenn ich keine Lust habe dass lass ich es einfach. Wer zwingt mich denn?
Niemand außer ich selbst!

Und warum?
Um einen Ultra am Wochenende zu absolvieren?

Vielleicht!
Aber den kann ich auch in Ruhe und mit viel Freude absolvieren. Wenn´s zwischendurch mal nicht so klappt dann gehe ich halt mal eine Weile. Hauptsache es geht mir gut und ich bin unterwegs.
Ob ich jetzt eine Stunde früher im Ziel bin interessiert mich sowieso nicht. So lange ich noch was zu Essen und Trinken kriege ist die Welt in Ordnung!

Trotzdem geht das natürlich nicht völlig ohne ein wenig Vorbereitung. Ein wenig regelmäßiger und am Wochenende der eine oder andere lange Lauf sollte schon sein.
Und das klappt auch ganz gut.
Ich fühle mich gut und relaxed. Genieße das Leben und erfreue mich an jedem Tag.
Ich habe wieder richtig Spaß am Leben.

Und mehr Zeit. Zeit für mich, meine Familie und Freunde.
Zeit zum Lesen und zum Entspannen.
Zeit die ich früher viel zu viel am Rechner verbracht habe und die ich nun anders nutze.
Ich bin zwar weiterhin online, aber wesentlich weniger als früher.

Arbeit, Laufen und Social-Media sind nicht der Mittelpunkt des Lebens!
Sie sind nur ein kleiner Teil davon. Und so sollte man es auch bewerten!
Ab und an einfach mal das Leben genießen und nicht zwanghaft nach Bestätigungen suchen!

Ein schweinisch gutes Leben!
Ein schweinisch gutes Leben!