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Resümee und ein kleiner Ausblick

Das Jahreshighlight ist vorbei und es gilt mit ein wenig Abstand ein Resümee zu ziehen. Weniger ein sportliches Resümee, da stelle ich überhaupt nichts in Frage. Wenn man bei seinem ersten 100er das Ziel erreicht und die Witterungsbedingungen noch dazu nimmt, kann man sich nicht beschweren. Da interessiert mich die Zeit relativ wenig.

Vorbereitung:
Die Vorbereitung war prima. Trotz Bedenken hinsichtlich des „doppelten Wochenendes“ mit 12-h-Lauf und Hamburg-Marathon, waren diese beiden Einheiten innerhalb 72 Stunden letztendlich optimal. Was man noch optimieren könnte, wären mehr lange Läufe an den Wochenenden. Hier wäre es sinnvoll den einen oder anderen über 50 Kilometer mit ins Programm zu nehmen. Letztendlich ist die Basis für einen 100 Kilometer Lauf die Grundlagenausdauer. Und dafür brauchst Du Kilometer, Kilometer, Kilometer……..

Das Problem hierbei ist neben der Zeit die Gefahr dass man zu viel macht. Für mich ist das immer ein Art „Drahtseilakt“. Auf der einen Seite brauchst Du Kilometer, auf der anderen besteht die Gefahr der Überlastung. Für mich ist es immer rätselhaft wie manch einer seine immensen Kilometerleistungen wegsteckt. Ich habe schmerzvoll erfahren müssen, dass mein Körper nach einer hohen Belastung auch ausreichend Ruhe und Regeneration braucht. Und die kriegt er!

Der Lauf selbst:
Letztendlich war der Schlüssel zum Erfolg die optimale Betreuung während des Laufes. Auf Grund der Witterung ist die Zufuhr von Flüssigkeit das allerwichtigste. Stephan und ich hatten abgemacht, dass er mich anfänglich alle halbe Stunde zum Trinken animiert. Als es später heiß wurde haben wir die Intervalle auf 15 Minuten reduziert.
Gerade am Anfang, wenn es gut läuft, besteht die Gefahr dass man das Trinken vergisst und es laufen lässt. Bei den diesjährigen Witterungsbedingungen wäre dies irgendwann nicht mehr zu kompensieren gewesen. Hier hat die Anweisung „von außen“ etwas zu trinken super geklappt!

Ein weiterer Schlüssel war die Entscheidung an den offiziellen VP´s so kurz wie möglich anzuhalten und sich auf keinen Fall hinzusetzen. Am besten ist es langsam weiter zu gehen und sich zu verpflegen. Dies bekommt mir am besten und die Muskulatur bleibt in Bewegung. Ich hätte gegen Ende auch gar nicht gewusst wie ich überhaupt aus dem Stuhl wieder hoch kommen sollte.

Gegessen habe ich relativ wenig. Mein „Frühstück“ bestand aus einem selbst gemachten Chiageel und einem Outsnack-Riegel. Bekömmlich und den Magen wenig belastend.
Unterwegs habe ich mir ein Glas Babynahrung (Karoffel/Pastinake) gegönnt. Geschmacklich zwar die Richtung Pappmaschee, aber sehr bekömmlich und nahrhaft! Beim nächsten Mal vielleicht mit ein bisserl Salz!

Salz! Auf Grund der extremen Temperaturen war der Mineralverlust durch Schwitzen immens. Also gab es von Anfang an stündlich eine Salztablette. Dazu ab Kilometer 30 öfters einen Schluck Gemüsebrühe. Im kalten Zustand nicht unbedingt lecker, aber dieser hat ja nicht lange angehalten. Ab Mittag war die Brühe warm!
An Isogetränken hatte ich lediglich eine 0,75l Flasche Frubiase Sport dabei. Hat gereicht, obwohl ich die letzten 15 Kilometer gerne etwas mehr an Geschmack gehabt hätte als abgestandenes, warmes Wasser.

An den VP´s habe ich relativ wenig zu mir genommen. Absolute Highlights waren die Salzkartoffel bei Kilometer 58 (Baldeneysee) und das Malzbier bei Kilometer 77 (A52 Ruhrtalbrücke).
Die zwei kleinen Flaschen Cola waren letztendlich eher etwas fürs Gemüt und gegen Ende des Laufes. Man muss hier aufpassen mit dem extremen Zuckergehalt um den Insulinspiegel nicht nach oben zu jagen um kurz danach in den Keller zu fallen. Hier werde ich in Zukunft auf Malzbier zurückgreifen welches wesentlich „weicher“ wirkt.

Best Supporter!
Best Supporter!

Ausrüstung und Kleidung:
Die Farbe schwarz ist zwar schön, aber bei den Temperaturen nicht ganz optimal. Das 2012er TTdR-Shirt hatte den Vorteil, dass das Logo nicht komplett gummiert war. Entsprechend war das „ganze Shirt“ voll funktionsfähig. Bei den neuen Shirts hat man im Brustbereich des Logos extrem geschwitzt.
Die ¾-Tight von Skins war optimal. Hier gab´s keinerlei Probleme. Als besondere Empfehlung kann ich hier noch die Wund- und Schutzcreme von Linola empfehlen. Keinerlei Wunschscheuern trotz des extremen Schwitzens. Bisher das beste Produkt das ich benutzt habe!!

Bei meinen Compressport R2 RACE AND RECOVERY Beinlingen bin ich ein wenig verunsichert. Ich hatte nach dem Lauf extrem geschwollen Knöchel und Füße. In erster Linie auf der linken Seite. Hier habe ich den Verdacht, dass der Übergang zwischen Socke und Beinlingen einfach zu viel Druck ausgeübt hat und letztendlich dazu geführt hat das sich Wasser im Fuß- und Knöchelbereich ansammelt und nicht mehr abtransportiert wird. Jedenfalls war die Sache sehr schmerzhaft und unangenehm. Es hat eine gute Woche gedauert bis sich wieder alles normalisiert hat.
Zukünftig werde ich auf Kompressionskniestrümpfe beim Lauf zurückgreifen und direkt nachher die Beinlinge zur Regeneration benutzen. Jedenfalls bei Läufen über 50km!

Die Hokas waren ohne Tadel. Selbst als ich gegen Ende das Gefühl hatte die Schuhgröße hat sich verdoppelt. Alles prima. Fußtechnisch, ohne das Problem der Wassereinlagerung, alles im Lot. Keine Blasen an den Füßen ist schon mal viel wert!

Von den ausprobierten Kopfbedeckungen war letztendlich die gute, alte Schirmmütze der Lauffreunde aus Rodgau das Beste. Ab und an im kühlen Ruhrwasser getränkt hat sie verhindert dass das letzte bisschen Hirn auf den 100 Kilometern verbruzzelt.
Was ich mir vielleicht noch zulege ist eine Schirmmütze mit Nackenschutz. Das wäre dann perfekt!

Als Brille nutze ich ja die Sziols und kann wie bereits in der Vergangenheit nur Positives berichten. Meine Sportbrille, gerade wenn es sich auch um erforderliche Sehhilfen handelt, ist definitiv nur noch Sziols!

Fazit:
Letztendlich ist das wichtigste die innere Einstellung und das Funktionieren des Teams gewesen. Ich konnte mich blind auf meinen aufopferungsvoll kämpfenden Betreuer Stephan verlassen. Und ich wollte die Rheinorange sehen. Egal wie! Aufrecht und aus eigener Kraft.
Der Wille ist vielleicht das wichtigste was uns zu Verfügung steht. Der Wille etwas zu erreichen obwohl der Körper eigentlich nicht mehr kann. Sagt er zumindest in immer kürzer werdenden Abständen!

  • Wenn man weiß, dass viel mehr in einem steckt als dass was man bisher kennt.
  • Wenn man sich sicher ist, dass nach einer schlechten Stunde auch wieder eine gute kommt.
  • Und wenn man weiß, dass das Gefühl am Ziel einfach für alles entschädigt was man während des Laufes ertragen hat.
  • Dann schafft man Dinge, die man vor ein paar Jahren als absolut unmöglich gehalten hat.

Und das Gefühl am Ziel eines Traumes angekommen zu sein, ist nur vermittelbar wenn man es selbst einmal erlebt hat.
Dabei ist es meiner Meinung nach völlig egal wie dieses Ziel aussieht. Ob 5 Kilometer, ob Marathon, ob 100 Kilometer oder auch 230 Kilometer. Das Ziel legt jeder selbst für sich fest. Ganz alleine und ganz persönlich. Schaut nicht nach anderen, schaut auf Euch. Hört in Euch hinein und sucht die versteckten Wünsche und Träume. Und wenn Ihr sie gefunden habt arbeitet an deren Realisierung. Denn Träume und Wünsche zu erfüllen ist eine der befriedigendsten Dinge die ich kenne. Ein erfüllter Traum setzt Kräfte in Euch frei. Kräfte die euch im täglichen Leben nach vorne bringen und die Euch zeigen was alles in Euch steckt!

Und mein nächstes Ziel ist die Gürtelschnalle bei der TTdR 2016. Wenn sie denn stattfindet. Die 100 Meilen als nächstes Ziel. Es ist ein Traum, kein Muss. Aber ohne Träume fehlt etwas im Leben.

Muhhhhhh....
Muhhhhhh….

Aber im Augenblick genieße ich noch das erreichen meines letzten Zieles. Und dies mit stolz geschwellter Brust und dem Gefühl „fast“ alles richtig gemacht zu haben!

8 Gedanken zu „Resümee und ein kleiner Ausblick“

  1. Na Du hast aber ganz schön viel gelernt!!! Und es gibt noch sooo viel mehr zu lernen. Manches kann man abgucken, manches muss man selber erfahren. Und auf anderen Distanzen (wie die 100M) gibt es wieder was neues.
    Mach so weiter, dann wirst Du noch viel Spaß haben!

    1. Danke Frank,
      ich versuche immer etwas dazuzulernen und die Sache behutsam anzugehen. Für mich steht in erster Linie der Spaß im Vordergrund.
      Und den hatte ich bei der TTdR „fast“ immer. Ein bisschen Leid ist immer dabei! 😉

  2. Yes, that’s it!
    Danke für diesen motivierenden Beitrag wenige Tage vor meinem ersten 100er!
    Das regt nochmal zum nachdenken und reflektieren ein.

    Danke dir Gerd

    Viele Grüße aus den Bergen

    Steve

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