Trainingscomputer und verpassten Möglichkeiten?

Der Trainingscomputer Polar V800 sitzt nun schon seit drei Monaten nonstop an meinem Handgelenk. Entsprechend wird´s mal wieder Zeit für ein kurzes Zwischenfazit.

Trainingscomputer und Nutzerwünsche

Der Tragekomfort und die Nutzung der Uhr als Freizeit- und Sportuhr hat sich bewährt. Ich möchte den V800 nicht mehr missen und in den drei Monaten ist er ein Teil meines Alltages geworden.
Ein paar Abstriche gibt´s für die Online-Software Polar-Flow. Hier wollte ich ja noch einen eigenen Beitrag verfassen und in die Tiefe gehen. Leider bin ich mit Polar-Flow noch nicht so ganz im reinen.

Grundsätzlich gibt´s bei Polar regelmäßig Updates und Verbesserungen für den V800 und die Online-Plattform, aber eher Dinge die meiner Meinung nach kein Sportler braucht der sich einen solchen Sportcomputer zulegt und sein Training damit steuern möchte.

„Smart-Notifikations“ sind vielleicht eine nette Möglichkeit, aber brauche ich die auf einem Trainingscomputer? Die Funktion ist meiner Meinung nach für den Trainingsbetrieb uninteressant. Erstens muss ich mein Handy sowieso mitnehmen und ein Stromfresser ist es auch noch.
Vor allem gibt es im Kreise der Nutzer genügend Funktionen die seit Monaten auf der Wunschliste mit oberster Priorität sitzen. Auch teilweise schon lange von Polar angekündigt, aber immer wieder nach hinten verschoben. Im Einzelnen möchte ich hier nur die Vergleichsmöglichkeiten von Trainingsplanung und -umsetzung, die Routingfunktion oder die variable Planung von Intervalleinheiten ansprechen. Und dies ist nur die Spitze vom Eisberg.
Ich kann hier auf die Einsicht von Polar hoffen, die Wünsche und Vorschläge ihre Kundschaft ernster zu nehmen. Schließlich ist es letztendlich die zahlende Kundschaft die man überzeugen möchte und auch gerne als zukünftigen Kunden beibehalten möchte, oder?

Genauigkeit der GPS-Aufzeichnung

Aber mal weg von den „verbesserungswürdigen Möglichkeiten“ des Polar V800 und hin zu den positiven Eigenschaften. Christian hatte in einem seiner letzten Blogbeiträge die Genauigkeit der Garmin fenix 3 kritisiert. Und da ich auch ein Fan von GPS-Aufzeichnungen bin, habe ich dies mal bei dem Polar V800 ein wenig genauer angeschaut.

Durch die Suunto Ambit 2 bin ich ja in Bezug auf Geschwindigkeit beim GPS-Empfang und Genauigkeit ziemlich verwöhnt worden. Das ging stets sehr flott und die Aufzeichnung war sehr exakt. Die Abweichungen waren marginal und meines Erachtens vernachlässigbar.

Der Polar V800 spielt in der gleichen Liga. Wenn die Satelliten gefunden wurden, und dies geschieht in der Regel relativ schnell, dann ist die Genauigkeit definitiv in der Klasse der Suunto Ambit. Die Genauigkeit, welche das GPS hergibt, wird sauber aufgezeichnet und ist meines Erachtens sehr genau. Man erkennt sogar Wechsel von einer Straßenseite zur anderen. Und auf dem folgenden Bild ist dies beim Biken aufgezeichnet. Beim Laufen ist die Punktdichte durch die geringere Geschwindigkeit sogar noch höher. Ich persönlich bin mit den gelieferten Daten sehr zufrieden.

GPS Daten vom heutigen Biken
GPS Daten vom heutigen Biken

Das gleich gilt für die barometrische Höhenmessung. Eine Funktion die ich nicht mehr missen möchte, da sie einfach wesentlich genauere Angaben generiert, als die nachträgliche Aufarbeitung der Höhen über die GPS-Messung. Höhenmessungen über GPS sind meiner Meinung nach sowieso nicht nutzbar und liegen stets im Bereich der Fabel. Und die nachträgliche Ermittlung über die Geodaten kann Bauwerke wie Brücken oder künstliche Aufschüttungen nicht Einarbeiten. Und wer auf einer Tour zehn Mal über eine Autobahnbrücke gelaufen ist, weiß wie viele Höhenmeter dies bedeutet.
Im beiliegenden Vergleich einer Biketour im Februar und einer von gestern kann man sehr gut erkennen, wie exakt die barometrische Messung den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht. Die aufgezeichneten Werte sind sehr exakt und eigentlich deckungsgleich.

Link zum Vergleich
Link zum Vergleich

Rein aufzeichnungstechnisch bekommt der Polar V800 somit von mir eine 1 mit Sternchen. Das ist echt oberste Liga und kann sich sehen lassen. Hier gibt´s nichts zu bemängeln!

Wünsche an Entwickler und Hersteller!

Fakt ist aber auch, dass sich ALLE Hersteller im Bereich der Trainingscomputer, augenblicklich einiges anhören müssen. Unausgereifte Produkte welche nach Meinung vieler durch die Nutzer im praktischen Einsatz zur Marktreife weiterentwickelt werden. Teilweise auf Kosten der Verbraucher die entsprechend Ihrem Ärger immer mehr Luft machen.
Es ist nachvollziehbar, dass der Kampf um die Kundschaft im Bereich der Trainingscomputer hart ist. Besonders im Bereich der hochpreisigen Produkte kämpfen die Platzhirsche mit immer neuen Funktionen und Möglichkeiten der Trainingssteuerung um die Pole-Position.
Aber ich bin der Meinung, dass der Kunde letztendlich entscheidet wer langfristig das Rennen macht. Und hierzu gehört neben einem guten Service auch die die Fähigkeit sich Kundenwünsche und Vorschläge gut anzuhören und in die Entwicklung aufzunehmen. Besonders dann, wenn man sein Produkt auf den Markt wirft, das noch sehr, sehr viele ungenutzte Möglichkeiten hat, welche aber noch lange nicht entwicklerseitig angegangen wurden.
Den am Schluss sind es nicht die Möglichkeiten die ein Produkt haben könnte, welche zählen, sondern die Möglichkeiten die ein Produkt für den Verbraucher auch hat.

In diesem Sinne liebes Polar-Team, nutzt die Möglichkeiten des Polar V800 dahingehend was der Kunde möchte und setzt das große Potential der Uhr um. Und dies im Polar V800 selbst und vor allem in dem damit verbundenen Online-Portal PolarFlow!
Langfristig entscheidet die Zufriedenheit des Kunden wer am Schluss die Nase vorne hat!

12 Gedanken zu „Trainingscomputer und verpassten Möglichkeiten?“

  1. Ein sehr ehrlicher Bericht, der eigentlich alles gesagt hat. Würdest du auch eine Smartwatch als Trainings“partner“ nutzen? Die erreichen durch ihre Apps auch einige gute Funktionen. Wäre doch mal ein guter Vergleich oder?

    Gruß
    Andreas

    1. Hallo Andreas,
      immer eine Frage der gewünschten Daten und der Auswertbarkeit. Ich tue mir immer schwer wenn´s um die eierlegende Wollmilchsau geht.
      Wenn ich eine gute Trainingsauswertung und Steuerung haben möchte, sind meines Erachtens die reinen Sportcomputer noch immer klar im Vorteil.
      Aber wenn ich ab und an mal Laufe und wissen möchte wie weit, wie schnell und vielleicht auch noch optional mit Herzfrequenzgurt, dann sind die aktuellen Smartwatches und Smartphones schon eine echte Konkurrenz.
      Die Hersteller der reinen Sportcomputer reagieren ja leider schon dementsprechend auf diese Konkurrenz. Mir persönlich wäre ein „reinrassiger“ Sportcomputer mit vielfältigen Trainings- und Auswertungsmöglichkeiten lieber.
      Ich fände es schade wenn´s hier eine Einheitsbrei entsteht.

  2. Das Problem mit den unausgereiften Produkten betrifft ja nicht nur die Sportuhren. Auch die Hersteller von Computer und Software schmeißen ein Produkt nach dem anderen auf den Markt, ohne dass es wirklich bis ins letzte funktioniert. dafür wird dann ein Update nach dem anderen nachgereicht. Es macht meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn mehr, ein Produkt direkt nach Erscheinen zu kaufen, egal wie scharf man darauf ist. Es ist einfach super ärgerlich wenn das Gerät dann nicht das tut, was es soll, und was vollmundig angekündigt wurde. die TomTom Uhr, die ich zum Testen geschenkt bekommen habe, entwickelt sich erst jetzt so langsam zu einem brauchbaren Trainingsbegleiter. Weil ich für die Uhr kein Geld hingelegt habe, sehe ich das relativ entspannt. im Gegenteil, ich bin immer neugierig was das nächste Update jetzt so bringt. hätte ich mir die Uhr allerdings für teures Geld gekauft, wäre ich jetzt ziemlich sauer. Ich hoffe für euch, dass Polar da bald noch nachrüstet. ich finde auch dass die Smart Watch Funktionen an letzter Stelle kommen sollten. Schließlich sollte es ja in erster Linie ein Trainings Computer sein. Bin gespannt was sich da noch so tut.

    1. Hi Christiane,
      sorry für die späte Antwort.
      Ich verlange ja nicht, dass ein Produkt nach „Marktreife“ nicht weiterentwickelt wird. Was mich stört ist die Tatsache, dass die Nutzer teilweise nicht gehört werden. Die Polar Software „personalpolartrainer“ hatte ja schon soooo viele tolle Funktionen. Warum hat man nicht auf dieser Basis aufgebaut. Nun habe ich ein PolarFlow, was ja bunt und schön anzusehen ist, aber wichtige Funktionen fehlen.
      Ich denke mal dass viele Polar V800-User ein bisserl angefressen sind!

  3. Lieber Gerd,

    vielen Dank für den offenen und ehrlichen Bericht über die Stärken und leider auch Schwächen der V800 bzw. eher deren Entwickler 🙂
    Ich kann mich Deinem Statement nur anschließen, und ich kann die Befürchtungen für die Zukunft nur teilen, nämlich, dass die GPS-Uhren Hersteller sich selber das Grab schaufeln mit unausgereiften Produkten. Irgendwann werden die Smartphones zusammen mit einer Smartwatch den Markt dominieren…wer braucht dann noch Polar oder Garmin bzw. Suunto? Selbst wir Technik-Freaks werden uns dann irgendwann anpassen.

    Aber, die Hoffnung stirbt zuletzt, in diesem Sinne…

    Salut

    1. Diese Hoffnung bleibt tatsächlich Christian,
      denn ich bin mir sicher, dass sich die Sportcomputer dadurch am Markt etablieren, in dem sie wieder machen wozu man sie früher gekauft hat.
      Zum Sport machen!

      1. ….das sollten die Produktentwickler bei Polar auch hören/lesen – und auch umsetzen. Bleibt abzuwarten, ob das nächste Update wieder neue Smartwatch-Optionen bringt, oder stattdessen endlich wieder Sportwatch-Features.

  4. Ich besitze den V800 im Sommer ein Jahr und bin im großen und ganzen so zufrieden, wie Du auch. Was mir sauer aufstößt:

    Letzten Somme wurde zugesagt, dass die Funktionen zu Routenplanung bis spätestens zum Ende des Jahres 2014 kommen. Bis heute wurde dieses Versprechen nicht eingehalten, und es darf bezweifelt werden, dass sich daran dieses Jahr noch etwas ändert. Stattdessen Smartwatch-Funktionen vorzuziehen, ist für mich unbegreiflich.

    Ich bin von Garmin zu Polar gewechselt, weil ich dachte, mit dem V800 einen Nachfolger für meinen Forerunner 305 gefunden zu haben. Stattdessen plane und laufe ich Routen in unbekanntem Terrain immer noch mit Garmin.

    Meine Ehe mit Polar wird wohl bald wieder geschieden. Warum? Weil ich nicht mehr daran glaube, dass Polar auf seine Kunden hört und sich um sie bemüht.

    1. Mal langsam Eddy,
      so wie es aussieht hat wohl jeder Hersteller in dem einen oder anderen Bereich seine Probleme. Bei Garmin scheint es hier und da Probleme mit der GPS-Genauigkeit zu geben und bei Suunto hatte ich öfters keine Online-Trainingsplattform. Wenn es so einfach wäre wenn man nur den Anbieter wechseln muss um ein optimales Produkt zu bekommen. Aber leider ist das nicht so.
      Ich persönlich bin von dem Produkt V800 überzeugt. Was sich ändern muss ist vielleicht die eine oder andere Einstellung von Polar zum Endverbraucher!

      1. In einer Ehe müssen beide Partner den Beitrag für ein harmonisches Miteinander leisten. Auf meine Beziehung zu Polar trifft das leider nicht zu. Um mal bei der thematischen Spielerei zu bleiben.

        Ich habe 450,- Euro investiert und mich auf Aussagen von Polar-Mitarbeitern verlassen. Nämlich dass die Routenplanung im gleichen Jahr realisiert wird. (siehe hier)

        Ein Jahr später kann man mir weder sagen OB noch WANN die damals zugesagten Funktionen kommen…

        Wenn mir ein Autohändler einen Wagen mit der Zusage verkauft, dass der über 200 km/h fährt, und in der Praxis ist bei 160 km/h Schluss, bekommt er das Fahrzeug zurück, und ich mein Geld. Oder er bessert nach. Oder macht mir ein Alternativ-Angebot.

        Alles andere bringt mich halt auf die Palme.

  5. Hallo Gerd,
    danke für den Bericht.
    Dass die V800 ein Barometer hat, wusste ich gar nicht.
    Das würde mich auch reizen. Ich nutze im Moment den Garmin Forerunner 620. Mit der GPS-Genauigkeit bin ich bei der auch voll zufrieden. Höhenaufzeichnung nur mit GPS ist aber leider immer sehr ungenau.
    Der FR620 misst auch so Spielereien wie Bodenkontaktzeit, Schrittfrequenz und vertikale Bewegung. Dachte vorher eigentlich, dass ich das nie nutzen würde. Mittlerweile werfe ich aber zumindet auf die Schrittfrequenz hin- und wieder ein Blick. Das hilft mir wirklich mich mit meinem Laufstil zu befassen.
    Gibt es etwas vergleichbares bei der V800?
    Besten Gruß,
    Jan

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