FiveFingers – irgendwann musste ich ja mal ran

Ich liebäugele ja schon seit Jahren mit den FiveFingers, aber so richtig rangetraut habe ich mich eigentlich nie. Zwar laufe ich einige Minimalschuhe wie den Merell Road Glove, die NB Minimus, den inov X-Talon 190 und den Trailroc 150, aber „echte Barfußschuhe“ hatte ich noch nie ausprobiert.

Warum FiveFingers?

Letztendlich hat unsere Wanderung durch den Odenwald den Ausschlag für die Anschaffung der FiveFingers gegeben. Christian ist die vier Tage komplett in den FiveFingers gewandert und ich bin am letzten Tag auf die Merell Road Glove umgestiegen. Und dies war richtig gut.

Also habe ich mir vor ein paar Wochen die Vibram FiveFingers zugelegt. Da ich im letzten Jahr hauptsächlich auf befestigten und asphaltierten Strecken unterwegs war viel die Wahl auf die FiveFingers V-Run.

Erstes Anziehen

Wie gesagt, Minimalschuhe waren ja bekannt und auch gerne gelaufen, aber als ich die V-Run das erste mal in den Händen hielt war´s doch ein wenig anders. Zwar macht die Sohle teilweise einen dickeren Eindruck als bei den inov-Schuhen, aber alleine durch die einzelnen Zehen ist es doch ein ganz anderes „Laufwerkzeug“ als die bisher bekannten Schuhe.

der erste Kontakt....
der erste Kontakt….

So war dann auch das erste Anziehen eine schweißtreibende Angelegenheit. Unglaublich wie unkontrolliert sich doch die eigenen Zehen verhalten.
Vor allem muss man stets nachfühlen wer in welcher Zehenbox angekommen ist. Mich hat das fehlende Feingefühl hierfür doch extrem überrascht. Vor allem ziehen sich die Zehen bei mir erst mal nach außen weg sobald ich in einen Schuh schlüpfe. Irgendwie ein lang antrainierte Reflex. Die meisten Zehenboxen in unseren Schicken und modernen Schuhen sind ja doch eher schmal.
Und so war ich erst einmal nassgeschwitzt, bevor jede Zehe in ihrer zugehörigen Zehenbox war.

meine ersten FiveFingers
meine ersten FiveFingers

Erste Schritte

Ich fand es einfach nur geil. Es ist wirklich ein total angenehmes Gefühl mit den Schuhen zu laufen. Da ich zu Hause grundsätzlich barfuß unterwegs bin, habe ich die ersten Schritte mit den FiveFingers außerhalb des Hauses genossen.
Und so habe ich erst einmal zwei Wochen lang die FiveFingers im Alltag getragen. Beim Arbeiten, beim Spazierengehen und beim Shoppen.
Ich fand´s sehr angenehm, viele Leute fanden es lustig. Letztendlich fanden es meine Füße auf der einen Seite befreiend, auf der anderen Seite aber auch sehr anstrengend. Das Laufen ist nämlich ein ganz anderes als mit festem und steifem Schuhwerk.

Der erste Lauf

Der allererste kurze Lauf mit den FiveFingers war am Morgen des Frankfurt Marathons. Da ich leider die 42 Kilometer verletzungsbedingt nicht angehen konnte, musste ich meinen Frust wenigstens mit einem kleinen Lauf über 10% der Marathonstrecke bewältigen.
Es regnete in Strömen als ich vor die Haustür trat. Die ersten Schritte waren vorsichtig. Schließlich ging´s komplett über Asphalt.
Nach 100 Metern war alles nass und durchgeweicht. Das Tempo und vor allem die Trittfrequenz lag automatisch höher als sonst. Ich hab sogar jede Pfütze extra gesucht so viel Spaß hat´s gemacht. Wie in meiner Kindheit, als wir mit Spaß und Freude durch die Pfützen gelaufen sind. Nur ohne Gummistiefel. Tatsächlich mit dem Gefühl barfuß zu laufen. Aber trotzdem mit einem, erst einmal für mich überraschenden Gefühl, das die Fußsohle relativ gut geschützt ist. Es hat einfach nur Spaß gemacht. Ich war total begeistert.

Fazit nach ein paar Wochen

Die weiteren Läufe waren genauso lustvoll wie der erste. Zwar soll man die Sache langsam angehen und die Streckenlänge nur minimal steigern, aber wenn´s so viel Spaß macht fällt dies unheimlich schwer. Vor allem mir.
Die Ungeduld wurde bei den ersten 10 Kilometerläufen mit entsprechendem Muskelkater im unteren Wadenbereich bestraft. Das hat richtig reingehauen und Treppenabstiege waren am kommenden Tag eine ordentliche Qual. Wer nicht hören will muss fühlen. Zum Glück waren dies die einzigen Beschwerden und Folgen meiner Ungeduld. Grundsätzlich würde ich jedem Neueinsteiger raten den Empfehlungen zu folgen und die Sache eher langsam angehen. Die ungewohnten Belastungen sind schon enorm.
Der Spaß, und da ist vor allem das Laufen im Gelände zu nennen, macht aber jeden Muskelkater wieder wett. Schon lange her dass ich so viel Spaß hatte.
Das Anziehen klappt jetzt ratzfatz und ist nach den beschwerlichen Anfängen auch kein Thema mehr. Zwar habe ich mir auch noch ein paar Socken zugelegt, aber zum laufen steige ich eigentlich immer barfuß in die Schuhe.

Und wie geht´s weiter

Ich werde die FiveFingers definitiv öfters laufen. Nicht ausschließlich, vor allem bei den langen Einheiten auf Asphalt nicht, aber definitiv immer öfter. Der Trainingseffekt und der Spaß sind schon enorm.

Für den Alltag habe ich mir sogar die FiveFingers CVT Wool gekauft. Hat zwar was von Yeti-look, aber auch hier ist das Lauferlebnis jeden kritischen Blick wert. Und die Socken kommen für die „Alltagsvariante“ auch mal zum Einsatz.

FiveFingers® CVT WOOL
FiveFingers® CVT WOOL

Und die nächste Variante ist auch schon ins Auge gefasst. Die V-Trail Variante für´s Gelände kommt auch noch an die Füße. Ein bisschen mehr Gripp bei der aktuellen Witterung im Gelände wäre schon wünschenswert. Damit könnte man noch mehr Gas geben und noch mehr Spaß generieren.
Ich freu mich darauf und werde definitiv noch einiges Berichten über die Erfahrungen mit den FiveFingers!

11 Gedanken zu „FiveFingers – irgendwann musste ich ja mal ran“

  1. Hallo Gerd,

    ich habe ja auch gerade die V-Run erstanden und bin auch sehr begeistert (bis auf ein paar Kleinigkeiten.) Muskelkater hatte ich aber gar keinen (wahrscheinlich weil ich schon viel barfuss/KSO gelaufen bin.)
    Die V-trail habe ich auch anprobiert, aber da hadere ich noch. Die Zehen passen mir nicht so gut wie bei den V-Run (da ist soviel Material über an der 2. und 3. Zehe) und ich habe da Angst im Gelände zu stolpern. Obwohl, reizen tut es mich schon.
    Viel Spass mit den schicken Tretern!

  2. Hi, Gerd, sehen gut aus, am Fuß und auch so – an euren Füßen/Beinen, für mich sind sie immer noch optisch gewöhnungsbedürftig, bin halt eine Frau, viel Glück damit – und vielleicht bin ich auch mal auf dem Trip, man soll ja nie nie sagen, sage ich auch nicht ! 😎

    1. Also rein optisch kommen die Schuhe nicht bei jedem an. Aber damit kann ich gut leben. Hauptsache der Spaß beim Laufen ist da.
      Ich hatte ja immer einen Bogen um die Schuhe gemacht. Im Nachhinein bereue ich dass ich so lange gewartet habe.

  3. Lieber Gerd,
    Du kennst meine Meinung und ich finde es erstaunlich, wie ähnlich unsere Anfänge mit den VFFs sind, obwohl bei mir schon 7 Jahre ins Land gezogen sind, seit ich umgestellt habe 😲
    Allerdings kann ich nur unterstreichen, was Du bzgl. der Geduld schreibst, ich habe aufgrund der Belastung mit einer Stressfraktur am Mittelfuß teuer Lehrgeld bezahlt 😳 Also, lass Dir Zeit.
    Die Alltags-VFFs sehen stark aus…nein, ich kann noch widerstehen 🤣

    Salut und Grüße an die Mädels

    1. Danke Christian,
      das mit der Geduld unterschreibe ich. Und ich versuche mich, trotz des Spaßes, auch daran zu halten. Ich bin weiterhin ein Freund gut gedämpfter Schuhe ohne oder geringer Sprengung. Dementsprechend werde ich weiterhin beides nutzen.
      Und den Bereich barfuß kann man ja nach und nach ausbauen! 😉

  4. Moin Gerd,

    noch einer, der den VFF verfallen ist 😉

    Die V-Trails werden den Spaß auf jeden Fall nochmal steigern, im Gelände lernst Du die Vorteile der VFF erst richtig zu schätzen.

    Ich finde die V-Run und V-Trail einfach nur geil. Allerdings bekomme ich mit nassen Füßen noch Scheuerstellen, ich hoffe das gibt sich noch.

    Weiterhin viel Spaß
    Volker

    1. Danke Volker,
      ich habe ja so gut wie nie Probleme mit Scheuerstellen und Blasen. Mal meinen Megamarsch ausgenommen. Aber das war ein Fehler meinerseits.
      Ansonsten freue ich mich auf die V-Trail. Schließlich ist ja bald Weihnachten. 😉

  5. Hi Gerd, das kann ich voll nachvollziehen! Ich bin mit FiveFingers im Urlaub viel unterwegs gewesen und genieße das Barfußgefühl sehr. Zum Laufen sind mir dann aber doch die Vivobarefoot lieber.

    Herzliche Grüße

    Thomas

    1. Hallo Martin,
      ich muss mich in einem Schuh wohlfühlen und da habe ich bei Sandalen schon immer meine Probleme. Ich finde das Zehenkonzept mit dem, überraschenderweise vorhandenen Schutz, einfach Klasse. Bei den Lunas hätte ich überhaupt nichts außer der Sohle. Das ist mir dann noch eine Nummer „minimalistischer“. Vielleicht gehe ich dann eher komplett auf Barfuß! Mals sehen.

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