Erste Erfahrungen mit der Polar Vantage V

Die ersten Einheiten mit der Polar Vantage V sind vorüber. Man hat sich kennengelernt und ausprobiert. Die Basics funktionieren und so langsam kristallisieren sich ein paar Merkmale heraus welche ich ohne ausgiebigste Testerfahrungen schon mal bewerten kann. Immer natürlich unter der Voraussetzung und Berücksichtigung der aktuellen Firmware.
Im vorliegenden Fall handelt es sich um die Softwareversion 1.1.7, Stand 45.KW.2018.

GPS

Das A-GPS. Das Finden der Satelliten funktioniert sehr zügig. Da ich meist von zu Hause mit meinen Läufen starte, habe ich immer das gleiche Umfeld und kann so gut beurteilen wie der Empfang der Satelliten funktioniert. Ich bin der Meinung, gegenüber der V800 funktioniert dies schneller.
Die GPS-Aufzeichnung funktioniert gut. Gravierende Unterschiede zu der V800 kann ich nicht feststellen. Die gemessene Streckenlänge passt.

Pulsmessung

Pulsmessung am Handgelenk funktioniert. Wobei ich hier ein kleines ABER einstreue. Bei meinen bisherig absolvierten Läufen waren keine Intervalle oder Fahrtspiele dabei. Entsprechend ist der Einfluss der Trägheit, welche bei der Handgelenksmessung zwangsläufig ist, relativ gering. Ich würde definitiv immer bei solchen Einheiten zum Brustgurt raten. Hier ist definitiv eine exaktere Auswertung möglich.


Trotzdem haben mich die Läufe ohne Brustgurt überzeugt. Zum lockeren Laufen und bei den Grundlageneinheiten funktioniert die Pulsmessung prima. Voraussetzung ist der richtige Sitz der Polar Vantage V am Handgelenk. Und damit meine ich die Lage und die Festigkeit. Hier ist meines Erachtens das größte Fehlerpotenzial versteckt und man muss doch ein wenig ausprobieren wie fest man das Armband anzieht. Zu fest ist genauso schlecht wie zu locker!

Dies spiegelt sich auch in der „intelligenten 24/7 Pulsmessung am Handgelenk“. Hier hatte ich bisher die größten Ausreißer in der Messung. Da kamen teilweise Pulswerte zustande die mein Herz gar nicht leisten kann. Aber man möchte und kann ja nicht den ganzen Tag ein zu enges Armband tragen. Zumal Polar auch beschreibt, dass man die Vantage wie eine normale Uhr tragen sollte. Vielleicht kommt hier im Laufe der Zeit noch eine Filterung der aufgezeichneten Werte und unrealistische Ausreißer werden unterdrückt.

Das gleiche gilt bei der Messung des Schlafes. Hier stört mich zusätzlich die Dicke der Vantage und die Helligkeit des sich einschaltenden Displays wenn ich mich bewege. Vielleicht liegt es auch einfach an der Bauform an die ich mich erst noch gewöhnen muss. Jedenfalls tausche ich Abends meine Vantage V gegen die A370 aus. Die ist leicht und schmal und hat das gleiche Feature Sleep Plus.
Die Synchronisation über Polar Flow funktioniert trotz zweier Geräte übrigens prima und die Übergänge zwischen den Aufzeichnungen sind nahtlos.

Hardware

Das Armband der Vantage V ist wesentlich flexibler und weicher. Wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass die Uhr entsprechend gut am Handgelenk sitzt. Ich persönlich würde das Armband ein wenig breiter bevorzugen bin aber vom Grunde her damit zufrieden. Mal sehen wie es sich langfristig mit der Haltbarkeit verhält.

Optisch finde ich die Uhr grundsätzlich gelungen. Trotz der Größe sieht sie elegant aus. Lediglich die Dicke der Uhr ist dem etwas abträglich, aber irgendwie muss man die Technik ja verbauen.
Als ich die Vantage das erste Mal auf der Marathonmesse in der Hand hielt, war ich über die schlechte Ablesbarkeit des Displays richtig erschrocken. Selbst mit Beleuchtung fand ich es sehr schwer ablesbar. Aber seit die Uhr am Handgelenk sitzt sind alle Bedenken zerstreut. Die Ablesbarkeit ist 1a.

In Kombination mit dem Blickwinkel des Trägers ist das Display sogar sehr gut ablesbar. Dazu regelt sich auch noch die Helligkeit entsprechend der Handbewegung zum Ablesen. Dies spart Energie und optimiert die Ablesbarkeit.
Großes Lob an Polar. Diese Lösung finde ich sehr gut!

Der Funktionsumfang ist ja im Vergleich zur V800 noch eingeschränkt. Entsprechend kann man sich in Bezug auf das Handling und der Menüs noch übersichtlich eingewöhnen. Die Tastenbelegung ist ähnlich, verlangt aber der Tatsache geschuldet das die Vantage einen Touchscreen-Display hat, gegenüber der V800 ein wenig Umdenken.
Aber ich denke mal mit der Zeit geht dies genauso locker von der Hand wie beim Vorgänger.
Die Tasten selbst sind griffig und gut greifbar. Durch die eher ovale Form ein wenig unaufdringlicher als bei der V800. Aber als Fan von Tasten bin ich auch hier sehr zufrieden.

Mal sehen was das Display so im Winter alles noch bringt. Mit Regen und Schnee hatte ich bei meiner Garmin Forerunner 405 ja so meine Probleme mit den Touchscreen Funktionen.
Weiterhin hoffe ich auf die Möglichkeit die Uhrenanzeige noch ein wenig individueller zu gestalten. Aber dies ist jetzt kein wirklich notwendiger Ansatz! 😉

Akkulaufzeit

Ich habe die Vantage V direkt bei der Inbetriebnahme am Freitag voll aufgeladen. Einstellungen auf „Kontinuierliche HF-Messung an“ und „Erholungsfeedback an“. Nachgeladen habe ich am Dienstagabend. Die Akkuleistung war ungefähr noch bei 20% laut Anzeige auf dem Display. Wobei man hier schwer einschätzen kann was tatsächlich noch an Saft da war. Hier wäre vielleicht eine „echte Prozentanzeige“ gar nicht so schlecht. Das kleine Batteriesymbol hat doch eine gewisse Ungenauigkeit. Jedenfalls bekam ich von der Polar Flow App die Meldung niedriger Akkustand.

Überschlägig waren das ungefähr knapp 100 Stunden Betrieb.Das Ganze mit ganz viel Herumspielen und Synchronisieren. Jeden Morgen den Orthostatischen Test und insgesamt gut 3,5 Stunden Aufzeichnung von sportlichen Tätigkeiten mit GPS und Herzfrequenz.
Auf den ersten Blick sieht das schon mal ganz gut aus, ist aber für eine Bewertung noch nicht belastbar.

Features

Ein ganz spannendes, neues Feature ist natürlich die Leistungsmessung am Handgelenk. Was man bisher nur von externen Sensoren kannte, wurde nun in die Vantage V direkt implementiert.
Inwieweit die aufgezeichneten Werte belastbar sind kann ich nicht beurteilen, da mir die Vergleiche fehlen. Grundsätzlich ergeben aber die Verläufe der Leistungsmessung in Bezug auf die Belastung während des Laufes einen Sinn. Entsprechend würde ich davon ausgehen, dass das Prinzip auf jeden Fall schon mal funktioniert. Wenn man nun aus den gesammelten Werten seine persönlichen Zonen definiert, kann man nach Leistung trainieren und auswerten.

Dies hat den großen Vorteil gegenüber der Geschwindigkeit und der reinen Herzfrequenz, da die Topografie des Trainingsgeländes mit einbezogen und vor allem auswertbar ist.
Ein sehr spannendes Thema welches definitiv tiefergehende Betrachtung verdient. Mal sehen was sich hier entwickelt.

Dazu gesellt sich Training Load Pro. Eine Belastungsbewertung die mehrere Faktoren in die Beurteilung des aktuellen Belastungszustandes implementiert.

CARDIO LOAD PRO – Die meisten kennen Ihn bereits aus der Berechnung des Trainingsimpuls (TRIMP) zur Bestimmung der Trainingsbelastung über die Pulswerte.

MUSCLE LOAD – Hier kommt nun die Leistungsmessung ins Spiel. Es wird ein Wert für die mechanische Energie (kJ) während der Trainingseinheit ermittelt. Spannendes Thema!

EMPFUNDENE TRAININGSBELASTUNG – Hier sind wir bei der persönlich empfundenen Trainingsbelastung nach RPE. Viele nennen es auch die Borg-Skala.

Aus den ganzen Faktoren wird eine wesentlich individuellere Trainingsbelastung ermittelt, als vorher. Zusammen mit RECOVERY PRO, hier ist eine Messung mit Brustgurt für den orthostatischen Test unumgänglich, kann eine optimale Empfehlung zur Trainingssteuerung gegeben werden. Hier sind natürlich einige Aufzeichnungen erforderlich bis ich genauere Infos geben kann. Die ersten Einblicke finde ich aber schon mal spannend.

Das soll´s fürs erste fast gewesen sein. Ich habe aber noch einen kurzen Vergleich zwischen der Vantage V (1.1.7) und der V 800 (1.11.49).

Bei meinem Lauf am Donnerstag habe ich beide Uhren benutzt.Rechts die Polar V800 mit dem H10 gekoppelt und links die Vantage V mit Handgelenksmessung. 
Grundlage ist ein 15 Kilometer Waldlauf bei bewölktem Himmel und noch ziemlich belaubten Bäumen. Die Vantage hat ungefähr nur 1/3 der Zeit gebraucht die Satelliten zu finden als V 800.

Trainingsübersicht Polar Vantage V
Trainingsübersicht Polar V800

Hier zeigt die V800 ungefähr 100 Meter mehr an als die Vantage. Beide Werte sind meines Erachtens sehr genau und die Differenz von 100 Metern auf gut 15 Kilometern verlachlässigbar.
Was die Aufzeichnung der Höhe betrifft sehe ich die Vantage klar vorne. Bei der V 800 ist bei gleichem Start/Ziel-Bereich ein Unterschied von 10 Metern. Die Vantage hat identische Auf- und Abstiegswerte.

Etwas größer ist der Unterschied bei der Schrittfrequenz. Hier habe ich festgestellt, dass die Vantage immer weniger anzeigt als die V 800. Die Frage stellt sich nun, welcher Wert ist der Richtige?
Kalorienverbrauch passt im Vergleich und der Running Index wird auch identisch bestimmt.
Im Großen und Ganzen passen die Werte. Zu den Unterschieden bei der Herzfrequenz und damit verbunden beim Cardio Load komme ich gleich.

Streckenausschnitt Polar Vantage V
Streckenausschnitt Polar V800

Hier nochmal eine Ausschnitt aus der jeweiligen GPS-Aufzeichnung. Ich denke mal das gibt sich nichts und ist wie immer von Polar sehr gut.

Diagramme Polar Vantage V
Diagramme Polar V800

Hier nun zu der größten Differenz in der Aufzeichnung und eine Bestätigung meiner Einschätzung zum Thema Handgelenksmessung.
Wie man sehr gut erkennen kann verläuft die Messkurve der Herzfrequenz die ersten 55 Minuten so gut wie identisch. Wenn es hier Abweichungen gegeben hat,dann sind die absolut zu vernachlässigen. Hätte ich so nicht erwartet.

Beim Anstieg reißt jedoch auf einmal die Vantage-Messung ab. Ursache könnte sein dass sich Schweiß zwischen Haut und Uhr gebildet hat. Jedenfalls hat sich nach mehrmaligem Fummeln und Festziehen des Armbandes die Sache wieder nach und nach normalisiert. Wobei 10 Minuten Aussetzer im Bereich der höchsten Belastung schon ziemlichen Einfluss auf das Gesamtergebnis haben. Unabhängig der Tatsache das es ziemlich nervig ist mit dem hohen Puls an der Uhr zu fummeln.

Woran es letztendlich liegt kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass die Messung bis auf den Ausreißer hervorragend und sehr genau funktioniert hat. Zeigt mir aber auch, dass ich bei einigen Trainingseinheiten weiterhin mit Brustgurt unterwegs sein werde.

Die weiteren Diagramme lasse ich erst einmal so stehen, da sie ja im Großen und Ganzen für sich selbst sprechen.
Mit persönlich kommt die Pace-Kurve der Vantage wesentlich geglätteter vor als die vom V800.
Macht Sinn, wenn die Pacemessung über die GPS Daten erfolgt.

Ansonsten bin ich immer noch sehr erfreut über meine Vantage V und werde weiterhin testen und berichten. Und wenn Ihr keinen Bericht verpassen wollt, dann meldet Euch doch einfach an meinem Newsletter an. Würde mich freuen.
Bis die Tage!

PS: Polar hat ein neues Update veröffentlicht. Aktuell gibtes die Softwareversion 1.2.3. Ich gehe einmal davon aus das es hier in erster Linie um die Fehlerbeseitigung geht.
Alles weitere demnächst.

So wie es aussieht, wurden mit dem Update die vorgenannten Streuungen und unrealistischen Werte bei der intelligenten 24/7 Messung beseitigt. Aktuell sind die gemessenen Werte realistisch und haben keine Ausreißer mehr!

4 Gedanken zu „Erste Erfahrungen mit der Polar Vantage V“

  1. Huhu, sieht alles erst mal besser aus, als das Gemecker der Nutzer vorhergesagt hat 😁. Ich freue mich, dass man wohl das ein oder andere gemütliche Läufchen ohne Brustgurt laufen kann, denn dafür reicht die HG-Messung wohl aus. Was mich interessiert, wäre diese Messung beim Schwimmen. Hier hätte ich mir den Gurt gewünscht aber das soll nun ja nicht mehr funktionieren. Danke, dass du mit der v800 verglichen hast. Super, dass die Vantage nun schneller GPS findet allerdings frage ich mich noch, warum jeder Lauf eher kürzer gemessen wird als mit der v800, ist zwar unerheblich aber was ich so lese, ist das ein Phänomen, das alle bei der Uhr haben. Freue mich auf neue Berichte. LG Danny

    1. Hallo Danny,
      aktuell sind die Messungen am Handgelenk noch mit einigen Fehlern versehen. Manchmal klappt´s prima, manchmal sind einige Ausreißer dabei. Keine Ahnung an was es liegt. Wenn man auf Nummer sicher gehen will, dann empfehle ich den Gurt.
      Zum Schwimmen kann ich wenig sagen, das ist nicht unbedingt meine Lieblingssportart. Entsprechend kann ich hier keine Bewertung abgeben. Ich gehe aber einmal davon aus, dass der Gurt weiterhin funktioniert. Habe auf jeden Fall noch nichts anderweitiges vernommen.
      Die GPS-Messung hat immer ein paar Ungenauigkeiten. Wobei ich mit den bisherig ermittelten Wertes sehr zufrieden bin. Das passt auf jeden Fall!

  2. Lieber Gerd,

    nichts anderes habe ich erwartet, testen auf Herz und Nieren und ganz ehrlich, Du machst das hervorragend.
    Die Vantage scheint nicht zuviel versprochen zu haben, wobei sicher noch die kleinen Bugs mittels Software-Update ausgemerzt werden.
    Ich werde weiter Deinen Beiträgen lauschen und wer weiß….

    Salut

    1. Hallo Christian,
      so einige Kleinigkeiten, unabhängig von den geplanten Updates zu weiteren Funktionen, sind noch zu beseitigen. Vor allem die Herzfrequenzmessung am Handgelenk hat sich bei mir noch nicht aufgedrängt. Liegt vielleicht an meiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber dieser Methode.
      Aber ich lasse mich immer gerne positiv überraschen. 😏

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