Apr 23 2010
Mein Weg zum Strongman – Part III
Nun kam der längste, hindernisfreie Streckenteil.
Zuerst an den Bunkeranlagen und Hangars vorbei, und dann durch den Wald. Sandige, aber im Großen und Ganzen gut zu laufende Waldwege. Zeit um den Puls wieder einzufangen und sich auf die einzelnen Steine in den Schuhen zu konzentrieren.
Das war so ziemlich das einzige, was mich im Augenblick ein bisschen störte.
Bis auf den Durst. Ich sehnte die Versorgungsstation herbei. Schließlich hatte ich bereits seit fast zwei Stunden nichts mehr getrunken. Und dies machte sich bei der Hitze langsam bemerkbar. Die Menschenmassen hatten sich ein wenig entzerrt und auf der Strecke war ausreichend Platz sein Tempo zu Laufen. Hier und da ertönte die ersten Rettungswagen. Die Zuschauer selbst waren im Waldstück ein bisschen spärlich vertreten, aber im Hintergrund konnte man schon wieder die Stimmung im Start/Zielbereich hören. Es konnte nicht mehr allzu lange dauern bis das nächste Hindernis auftaucht.
Und das kam schneller wie erwartet. Plötzlich standen ein paar Streckenposten mitten im Weg und versuchten uns langsam zu stoppen!
Vor uns stand das 5. Hindernis – Spiders Web!
Und davor, daneben, darauf und dahinter ungefähr 2.000 Läufer die gleichzeitig darüber wollten. Ein absolutes Nadelöhr.
Nun war Anstellen angesagt.
Ein bisschen verwundert war ich über die Tatsache, dass einige hundert Läufer einfach um das Hindernis herumliefen.
Jedoch nicht ohne einen von tausend Stimmen getragenes „Pussys, Pussys, Pussys“ über sich ergehen lassen zu müssen.
Für mich ein bisschen unverständlich, dass man gerade das auslässt, was so einen StrongmanRun eigentlich ausmacht. Das sind nämlich die Hindernisse. Wenn ich schnell laufen möchte gehe ich ins Stadion auf die Bahn. Dann ist die Verletzungsgefahr auch nicht so groß. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Für mich kam jedenfalls ein Auslassen eines Hindernisses nie in Frage.
Also kletterten wir „gemeinsam“ über das Spiderweb. Jeder half jedem. Unten wurde gedrückt und oben wurde gezogen. Alles geordnet und gesittet. So wie ich es mir unter Sportlern vorstelle. Vorbildlich.
Kostete zwar mindesten 20 Minuten, aber erstens hat es Spaß gemacht, und zweitens hatte ich mir für dieses Jahr den Sieg noch nicht zugetraut.
Nach dem Spiderweb folgte im kurzen waldigen Abschnitt die nächste Schweinerei.
Hindernis Nr. 6 – Dirty Dancing
Und der Name war Programm. Die vielen Zuschauer mussten sich ziemlich in Acht nehmen um nicht mit ins Geschehen einzugreifen. Der Schlamm spritzte gewaltig durch die Landschaft. Wer es bisher noch einigermaßen sauber war, sollte spätestens hier damit abgeschlossen haben sauber durch diesen Lauf zu kommen. Zwar versuchten einige am Rand dem Matsch ein wenig zu entkommen, aber so richtig gelang dies eigentlich niemandem. Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht.
Kurz danach gab es endlich gab es die lang ersehnte Verpflegung. Wasser, Wasser, Wasser. Ich habe das Zeug Becherweise in mich hineingeschüttet. Dazu ein Stück Banane und die Lebensgeister kehrten wieder einigermaßen zurück. Unter den herrschenden Bedingungen war es bis zum ersten Verpflegungspunkt ziemlich lange hin. Für mich war es grenzwertig. Zumal ich bei warmen Bedingungen immer große Probleme kriege. Aber zum Glück ging ja bisher alles gut.
Direkt nach der Verpflegungsstelle kam Hindernis 7 – Gravity Test.
Eine Steilkurve mit einer 10% Steigung. Nichts besonderes, jedoch der einzige Teil auf der Strecke an dem ich kurz wegrutschte. Ich bin absichtlich ganz unten gelaufen. Zudem hatten einige ganz clevere Läufer hier ihre Bananenschalen von der Verpflegung entsorgt. Anscheinend hatte da die Hitze in einigen Köpfen schon größeren Schaden angerichtet.
Nochmal kurz unter einem Gitter hindurch und ab ging es in die nächste Kiesgrube.
Voll in die Hitze. Jetzt ging es richtig zur Sache. Auf dem hellen Sand war das Laufen sehr anstrengend. Zum Glück hatte ich im Winter genügend Gelegenheit unter ähnlichen Bedingungen zu trainieren. Erst Schnee, jetzt Sand. Ich wünschte mir ein schöne flache Asphaltpiste.
Dann kam Hindernis Nr. 8 – Loch Nass
Knappe 100 Meter durch knie- bis hüfthohes Wasser. Erfrischen aber zugleich auch anstrengend.
Wer schon mal am Strand im Wasser gelaufen ist weiß was ich meine. Danach ging es endlos durch den Sand und den Kies. Heiß. Immer auf und ab. Anstrengend. Immer mehr Teilnehmer fingen jetzt schon an zu gehen. Vor allem diejenigen, die anscheinend irgendwie nicht so ganz wussten auf was sie sich da eingelassen hatten. Einige waren tatsächlich der Meinung, wenn man mal so 15km im Training durch den Wald gelaufen ist, kriegt man so einen Strongman auch über die Runden. Manchmal tun Irrtümer ziemlich weh!
Gefühlsmäßig befand ich mich in dieser weißen Hölle beim „Marathon de Sable“! Hitze und Sand. Dazu Sand und Steine in den Schuhen. Hier wurde echt alles geboten.
Am Ende der Kiesgrube, nach gefühlten 20 Kilometern, kam nun Hindernis Nr. 9 – Quicksand
Quicksand hatte eine Steigung von 50% und einen sehr sandigen Untergrund. Die Beinmuskulatur musste nun Höchstleistung bieten. Trotzdem musste ich den letzten Abschnitt gehen. Oben angekommen wartete ein Waldstück mit Wildwuchs. Über Stock und Stein musste man höllisch aufpassen, dass es einen nicht zerlegt. Abwärts ging´s wie vorher hoch: 50% Gefälle und sandigem Untergrund.
Weiterhin kräftig Sand einsammeln und weiter ging es. Ein bisschen Abkühlung wünschte sich der Körper schon.
Und die bekam er dann auch.
Hindernis Nr. 10 – Gulf of Weeze
Mit einer „Pussylane“ ausgestattet, die wiederum von vielen genutzt wurde.
Aber ich war keine Pussy. Augen zu und rein!
Mein Fresse war das Wasser kalt. Völlig überhitzt ging es in´s eiskalte Wasser. Ich war froh, dass rundherum ausgebildete Rettungsschwimmer standen. Den nach einigen Schritten war nichts mehr mit Laufen. Schwimmen war angesagt. Zusätzlich gab es den einen oder anderen Tritt vom Nebenmann. Und irgendwie wurde es immer kälter. Ich war jedenfalls heilfroh, als ich am gegenüberliegenden Ufer durch den Schlamm waten konnte.
Geschafft!
Das Hindernis wovor ich den meisten Respekt hatte lag nun schon einmal hinter mir. So langsam wurde ich zum Strongman………

















Apr 24, 2010 @ 02:37:15
die Tritte im Wasser waren wirklich absolut unnötig. Ich bin auf den Rest des Berichts gespannt, noch sind wir ja nichtmal mit der ersten Runde durch!
Apr 24, 2010 @ 12:17:49
Da ich sowieso nicht der “Schwimmer” bin, war ich froh als dieser Abschnitt das erste Mal hinter mir lag!
Baden ist OK. Schwimmen muss nicht sein.
Apr 24, 2010 @ 09:29:18
Wow, ein toller Bericht bis hierher. Ich bin gespannt auf den Rest!
Apr 24, 2010 @ 12:18:29
Danke für das Kompliment. Es war auch ein beeindruckendes Ereignis!
Apr 24, 2010 @ 15:39:39
Pussylane – hihihi – lustiges Wort.
War das tatsächlich erlaubt, einige Hindernisse auszulassen? Aber wie wurde das dann gewertet? Ich stimme dir da völlig zu, beim Strongman mitzumachen und dann um die Hindernisse drumrum laufen ist völlig blödsinnig.
Apr 24, 2010 @ 19:48:35
Es waren halt auch Pussys beim StrongmanRun.
Gewertet wird jeder. Finde ich auch nicht schlimm. Muss jeder wissen ob er ein echter Stronman ist oder ne “Pussy”!
Apr 24, 2010 @ 18:47:12
Einfach genial
Apr 24, 2010 @ 19:50:04
Danke Ralph!
Apr 25, 2010 @ 16:39:20
Super Abenteuerlauf. Was es nicht alles gibt…
Da hatte ich vorher noch nie etwas von gehört.
Apr 27, 2010 @ 08:32:59
Dann hast Du was verpasst! Es ist echt ein ganz spezielles Event!