Mein Weg zum Strongman – Finish

Nachdem ich das erste Mal den “Gulf of Weeze” durchschwommen hatte war mir wieder ein bisschen wohler. Vor dem Schwimmen im eiskalten Wasser hatte ich vorher echt Schiss. Außerdem geisterte vor dem Lauf immer wieder das “Laufen mit Wasser in den Schuhen” durch meinen Kopf. Zwar hatte der letzte Winter öfters mal ein paar nasse Socken fabriziert, aber nie stand das Wasser literweise in den Schuhen.
Aber auch dieses Problem war ja bereits seit dem ersten Wasserhindernis keines mehr. Es ging erstaunlicherweise ohne Problem und ohne Blasen. Lag wahrscheinlich auch daran, dass ich während des Rennens strikt die Schuhe angelassen habe. Lieber einen drückenden Stein in Kauf genommen, als die Schuhe ausgezogen. Viele andere hatten danach echte Probleme.

Also wenn ihr mal in eine ähnliche Situation kommt. Augen zu und durch.
Ist immer noch besser als sich alles wundzuscheuern!

Das einzig problematische an dem kalten Wasser war die Muskulatur. Durch die Kälte zog sich jeder Muskel zusammen. Wenn man aus dem Wasser kam, war ruhiges und gleichmäßiges Weiterlaufen wichtig. Viele die sich nicht daran hielten hatten bereits an den ersten Wasserhindernissen Problem mit Krämpfen und Muskelverletzungen.

Immer weiter

Immer weiter

Das Hindernis Nr. 11 – Canale Grande war nach dem Schwimmen keine wirkliche Herausforderung mehr.
So ein kleiner Lauf im Matsch war ja schon an der Tagesordnung. ;-)
Zumal der größte Teil unter der Hitze bereits ausgetrocknet war. Der Rest war zwar tief und rutschig, aber außer ein paar richtig “schweren Schuhen” ging es eigentlich ganz gut.
Die Klumpen liefen sich während der nächsten Meter im Sand wieder ab. Und bis zum nächsten Hindernis konnte man die Füße wieder einigermaßen heben.

Das war auch erforderlich. Denn es ging beim Hindernis Nr. 12 – The Rock, wieder steil nach oben. Arme auf die Oberschenkel gestützt und hoch auf den Berg.
Ca. 6 Meter. Steil und lehmig. Nicht das man sich ein bisschen erholen konnte.
Selbst beim runterkrabbeln, -rutschen, -straucheln musste man höllisch aufpassen. Die Oberschenkel meldetet sich jedenfalls kräftig zu Wort.
Ein bisschen überrascht war ich über die Menge der gehenden, mit Krämpfen liegenden oder humpelnden Teilnehmer. Schließlich war noch nicht mal die Hälfte des Laufes absolviert.
Irgendwie hatte ich bei vielen den Eindruck, so richtig im Klaren war den meisten nicht was sie hier erwartet.
Klar hat man hier seinen Spaß. Aber dafür reicht es nicht einmal einen Halbmarathon oder 10km gelaufen zu sein. Spätesten jetzt wussten es die meisten! ;-)

Zum Abschluss der Kiesgrube kam noch Hindernis 13 – Sea of Glory.
Das Wasser war maximal 50 – 80cm tief und damit wesentlich flacher als angekündigt. Gut zu Laufen und in der Hitze eigentlich ganz angenehm.
Lediglich die Länge von 40 Metern kostete wieder Kraft. Aber so langsam musste man sich auf den ersten Zieldurchlauf vorbereiten.
Die Zuschauermengen nahmen wieder deutlich zu, und als man aus der Kiesgrube hinaufstieg, waren die Zuschauer wieder in Massen dabei und feuerten einen an.
Vergessen die Qualen der letzten Kilometer.
Den “Tribünenschritt” aufgelegt und ein gequältes Lächeln auf die Lippen gezaubert. Auf der asphaltierten Start/Zielgerade, umgeben von zigtausend grölenden Zuschauern, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. Ein geiles Gefühl.
Bei der ersten Zielüberquerung wurden bereits die Sieger gefeiert und interviewt. Ich gönnte es Ihnen. Ich hatte nur Durst und wollte eine Banane. Schließlich lag die komplette Strecke nochmal vor mir.
Der Vorteil war nun, ich wusste was auf mich zukommt.
Der Nachteil war, ich wusste nun was auf mich zukommt! ;-)

eine Runde ist geschafft!

eine Runde ist geschafft!

Gezeichnet... aber noch nicht am Ende

Gezeichnet... aber noch nicht am Ende

aber es fehlt noch immer eine Runde

aber es fehlt noch immer eine Runde

Gleich zu Beginn der zweiten Runde gab es Hindernis Nr. 14 – Great Canyon.
Eine Vielzahl kleinerer Bunkeranlagen, die sich alle hinter dem Start/Ziel und vor dem Wald befanden und nur zu Beginn der zweiten Runde zu überqueren waren. Als ob die Oberschenkel ein zusätzliches Auf und Ab eigentlich noch bräuchten.

Die zweite Runde erspare ich mir die Aufzählung der Hindernisse im Einzelnen. Es ging nochmals über:

- Danger Zone
– Gimme Shelter
diese Mal eher hinaufgehend als hinauflaufend!

- Playa de Weeze
– Black Sea
– Dirty Dancing
– Gravity Test
danach wieder in die große Kiesgrube. So langsam hatte die Sonne ihre Arbeit verrichtet und mir einen genialen Sonnenbrand auf Gesicht, Nacken und Waden gebruzzelt.
Ich hatte Bedenken in der Kiesgrube einzugehen wie eine Priemel.

Trotz eines hochroten Kopfes hatte ich kräftemässig und muskulär absolut keine Probleme. Die harte Vorbereitung im deutschen Winter zahlte sich nun aus.
Weiter ging es durch:

- Loch Nass
- Quicksand

Und dann kam wieder “Gulf of Weeze“!
Mit einem knackigen Sonnenbrand. Total überhitzt und definitiv mit einem leichten Sonnenstich wagte ich mich zum zweiten Mal in die eisigen Fluten. Es war grausam.
Als das Wasser in Brusthöhe stand blieb mir die Luft weg. Der Kreislauf fiel in den Keller und ich schaute mit flehenden Augen auf den Rettungsschwimmer.
Nur keine Panik.
Weiterschwimmen und so schnell wie möglich wieder Boden unter den Füßen zu fassen kriegen.
Angst! Ja die hatte ich definitiv.

Das zweite Mal Schwimmen - der Horror

Das zweite Mal Schwimmen - der Horror

Das kalte Wasser zehrt an den Kräften

Das kalte Wasser zehrt an den Kräften

Aber ich habe es geschafft. Und ich war geschafft als ich aus dem Wasser kam. Mein Kreislauf stabilisierte sich wieder.
Ich stand bis zu den Knöcheln im lehmigen Matsch und war einfach nur froh wieder draußen zu sein.
Jetzt war ich mir sicher das ich es schaffe. Nichts kann mich nun mehr aufhalten ein Strongman zu werden.

Zwar waren die letzten Kilometer bei der Hitze eine einzige Quälerei für mich. Aber ich war mir beim Ausstieg am Gulf of Weeze sicher. Ich werden finishen!

- The Rock und
- Sea of Glory habe ich nur noch unterbewusst wahrgenommen.

Gleichmäßig und monoton setzte ich einen Fuß vor den Anderen. Der Anstieg aus der Kiesgrube hinaus wurde gegangen. Die Kräfte waren am Ende und für den Zieleinlauf wurden die letzten Reserven mobilisiert. Das Zuschauerspalier was noch mehr angewachsen und setzte nochmals alle restlichen Kräfte frei.
Ich lief wie in Trance auf das Ziel zu.

Ich bin ein Strongman

Ich bin ein Strongman

Die Uhr zeigte irgendetwas um die 3 Stunden und 40 Minuten. Es war mir so was von egal.
Ich war überglücklich. Zu fertig um richtig zu Jubeln. Die hübsche Dame mit den Medaillen hatte Angst das ich unter der Last der Finisher-Medaille zusammenbreche. Das Lächeln in Ihren Augen hat gut getan. Danke nochmals dafür!

Danach suchte ich nur etwas zum Trinken. Die erste Flasche Weizenbier verdampfte. Die zweite klemmte ich mir unter den Arm und nahm ein Stück leckeren Apfelkuchen. Mein Körper schrie nach Kohlehydraten und Flüssigkeit. Und alles was nicht schreien konnte tat einfach nur weh.

Nach dem StrongmaRun

Nach dem StrongmaRun

Was bleibt?

Was bleibt?

Ich machte mich auf den Weg die anderen zu suchen. Marco und Martin lagen bereits länger in der Sonne und warteten. Super Zeiten sind die beiden gelaufen. Ebenso wie Sven, den wir leider an diesem Sonntag nicht mehr gesehen haben. Steffen und Melanie hatten 5 Minuten vor mir das Ziel überquert und kamen kurz nach mir zum Treffpunkt.

Als erstes musste ich aus meinen Schuhen. Mich wunderte das in der Kiesgrube überhaupt noch Sand lag. Auf Grund der Menge in meinem Schuh und der Anzahl der Teilnehmer, kann es aber nicht mehr viel gewesen sein.
Jedenfalls verabschiedete ich mich direkt nach dem Lauf von meinen treuen Salomon XT Wings. Sie haben mir zwei Jahre viel Freude bereitet und hier einen glorreichen Abschluß ihrer Karriere erhalten. Für ihre Nachfolger liegt die Messlatte sehr hoch.

Salomon XT Wings

Salomon XT Wings

Ehrenfriedhof

Ehrenfriedhof

Beim Umziehen auf dem Hangargelände nochmal gecheckt das kein Körperteil auf der Strecke geblieben ist und wenigstens in ein bisschen sandfreie Unterwäsche geschlüpft. Dar Sand rieb nämlich auf meinem Sonnenbrand herum und machte keinen besonderen Spaß.

Und hier die offiziellen Zeiten der neuen Strongman:

1. Sven 02:10:31 Std. Platz 128.
2. Bodhi 02:40:44 Std. Platz 986.
3. Martin 02:43:14 Std. Platz 1097.
4. Melanie 03:34:49 Std. Platz 265. Frauen
5. Steffen 03:34:50 Std. Platz 4.226.
6. Gerd 03:39:41 Std. Platz 4.468.

Die Strongman

Die Strongman

Ein richtig tolles Team hatten wir da am Start. Viel Spaß und trotz aller Leiden ein paar geniale Tage verbracht. Nachdem der Organisator die “tatsächliche” Streckenlänge nun offiziell auf 23,4 Kilometer beziffert hat und entsprechend die “Sollzeit” von 3 Stunden 30 Minuten gestrichen hat, sind wir auch alle offizielle Strongman. Und darauf können wir stolz sein.

Nach der Verabschiedung von Marco und Martin holten wir noch unsere Finisher-Shirts und machten uns langsam auf den Weg zurück ins Hotel.
Ich freute mich schon auf eine Dusche. Irgendwie hatte ich das Gefühl dreckig zu sein. Mein Nacken, der Kopf und die Waden glühten vom Sonnenbrand. Ich wollte einfach den ganzen Dreck endlich abspülen und mich ne halbe Stunde auf´s Bett legen.
Am Abend war ich mit Steffen und Melanie nochmals richtig lecker Essen. Hunger hatten wir ausgiebig und zu erzählen gab es auch genug. Gegen 10:00Uhr liefen wir glücklich, satt und zufrieden zurück ins Hotel. Am Montag nochmals ausgiebig gefrühstückt und dann fuhren mich meine beiden Ingelheimer noch nach Hause. Dafür nochmals herzlichen Dank.
Es war ein tolle Wochenende mit Euch und muss wiederholt werden!

Und das Fazit zu meinem ersten Strongman!
Ich hatte, genauso wie meine Familie einen großen Respekt vor der ganzen Sache. Ich hatte mir vorgenommen das ganze Event zu genießen und meinen Spaß zu haben. Dazu haben natürlich alle Teilnehmer beigetragen. Die Organisation war für ein solch großes Spektakel OK. Ich war jedenfalls, nach ein paar Orientierungsproblemen zufrieden.
Nächstes Jahr soll es auch wieder die Möglichkeit geben zu Duschen. Außerdem soll es bei ähnlichen Witterungen zusätzliche Versorgungsstationen geben. Erstrebenswert, zumal man die Strecke um gut 30% verlängert hat. Die ganze Meckerei über Staus an den Hindernissen ist einfach nur nervig.
Ich bin der Meinung das gehört dazu.

Das “gemeinsame” Erklimmen des Spiderwebs war für mich ein Highlight des ganze Rennens!
Ich danke jedenfalls jedem einzelnen der es ermöglicht hat, das ich dieses Erlebnis haben durfte!

Was die Pussylanes betrifft halte ich mich zurück. Ich kann es nicht nachvollziehen und muss es auch nicht. Für mich ist einer nur ein Strongman wenn er die Hindernisse passiert und nicht umläuft. Basta!

Ich habe direkt nach dem Rennen gesagt einmal reicht.
Seit gestern stehe ich auf der Warteliste! ;-)

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Man sieht sich wieder. ;-)

Man sieht sich wieder. ;-)

Tschüß Weeze

Tschüß Weeze

Gezeichnet

Gezeichnet

Da blieb nix mehr übrig

Da blieb nix mehr übrig