Aug 25 2010
Warum laufe ich?
In allen Medien werden Sieger gekürt.
Weltmeister!
Europameister!
Deutsche Meister! usw.
Gewinner sind überall präsent.
Man umgibt sich gerne mit Gewinnern.
Pokale. Medaillen. Urkunden.
Weltrekorde!
Europarekorde!
Altersrekorde!
Bestzeiten wo man hinschaut.
Der erste ist der Beste.
OK! Ein zweiter und dritter Platz wird auch noch akzeptiert.
Aber danach?
Sind das alles Verlierer?
Ich habe bereits in frühster Jugend erkennen müssen, dass ich nicht zum Läufer geboren bin. Entsprechend ver”liefen” meine sportlichen Ambitionen eher in anderen Bahnen.
In der Leichtathletik waren es die Wurfdisziplinen, und im Mannschaftssport stellte man mich halt in´s Tor.
Nur damit ich nicht Laufen muss! Hat ja doch keinen Sinn.
Irgendwann wird man dann älter und älter. Die Muskel werden weniger und der Bauumfang nimmt bedrohliche Dimensionen an.
Sport aktiv betreiben ist schon lange kein Thema mehr.
Auf der Couch den anderen zuschauen ist bequemer.
Die Fitness nimmt kontinuierlich ab.
Die Beschwerden werden immer massiver.
Zigaretten und Alkohol werden als “Genuss” deklariert.
Die Wampe stört.
Die Husterei ist nervend.
Und die Regenrationszeiten nach einer durchzechten Nacht werden immer länger.
Irgendwann kommt glücklicherweise ein Umdenken.
Der einzige der die Situation ändern kann bin ICH.
Ich bin verantwortlich für meinen Körper und meine Gesundheit.
Und ich muss da wieder raus kommen.
Ich habe es geschafft.
Mit eisernem Willen!
Viel Leid und viel Schmerz!
Aber ich habe es geschafft.
So wie es jeder schaffen kann wenn er denn wirklich will.
Aus mir ist immer noch kein Läufer geworden. Es wird auch nie ein Läufer aus mir werden.
Ich werde nie erster sein.
Nie auf dem Podest stehen.
Aber dass ist auch nicht der Grund warum ich Laufe.
Der Grund warum ich Laufe ist das Laufen selbst.
Der Spaß an der Bewegung.
Die Freude sich in der Natur zu bewegen.
Das Erlebnis mit Tausenden durch eine abgesperrte Innenstadt zu Laufen.
Nicht gegeneinander!
Miteinander.
Spaß zu haben.
Auch an Grenzen zu gehen. An meine Grenzen.
Auch Niederlagen gehören dazu.
Aus Niederlagen zu Lernen macht stark.
Auch außerhalb des Sports.
Nur aus Niederlagen kann man Siegen lernen.
Ich bewundere Sportler die einen Marathon unter 3 Stunden laufen können.
Aber ich bewundere aber auch genauso die Menschen die sich Ihren Traum vom Marathon in 6 Stunden erfüllen.
Jeder hat das Recht auf seine Leistung stolz zu sein!
Auch ich. Egal was andere darüber denken.
Was zählt bin ganz alleine Ich.
Jeder hat sportliche Träume!
Sportliche Ziele!
Sportliche Wünsche!
Mein sportlicher Traum, mein sportliches Ziel und mein sportlicher Wunsch ist,
“so lange Laufen zu können wie es gesundheitlich nur geht”.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Das Laufen ist der Grund weshalb ich Laufe!






Aug 25, 2010 @ 18:24:11
Grandioser Beitrag Gerd,
schönes Plädoyer ans Laufen.
Alles ist gesagt und ich stimme zu 100% zu.
LG
Marco
Aug 26, 2010 @ 06:34:42
Manchmal braucht es gar nicht viel um stolz auf sich zu sein!
Aug 25, 2010 @ 19:00:19
Schön geschrieben Gerd! Ganz wichtig ist Dein Satz: “Auch an Grenzen zu gehen. An meine Grenzen.” Die liegen bei jedem anders. Der eine will den schweren Marathon nur “überleben”, der andere “dabei sein”, der dritte “geniessen” und der vierte eben eine bestimmte Zeit erzielen. Aber eines haben alle gleich: sie sind mit Freude dabei – denn ohne Freude an diesem Sport geht eben nichts!
Aug 26, 2010 @ 06:35:57
Der Drang zu den Grenzen ist meines Erachtens zwangsläufig. Jeder probiert irgendwann mal aus wie weit es geht.
Wichtig ist nur diese Grenzen, auch wenn sie nicht dem Wunsch entsprechen, zu aktzeptieren!
Aug 25, 2010 @ 19:23:09
Leide wird immer nur auf die Platzierung geschaut, für mich ist aber niemand ein Verlierer. Wer es schafft so einen Lauf zu laufen, der ist nie ein Verlierer sondern ein Held, er schafft etwas was viele, nein die meisten anderen nicht schaffen.
Ich kann Deinem Beitrag ebenfalls zu 100% zustimmen.
Aug 26, 2010 @ 06:36:57
Vielleicht sind die eigentlichen Verlierer die, die es nie versuchen?
Alle anderen sind Gewinner!
Aug 25, 2010 @ 19:33:55
Was den Inhalt betrifft, kann ich dir auch nur zustimmen, lieber Gerd.
Wobei ich bezüglich des “Überall zählen nur die Sieger” etc. auch gut den Miesepeter spielen könnte, denn in den Medien kann man nun mal nicht auf jeden eingehen und Nachrichten wie “Die waren alle toll” sind irgendwie auch nicht viel Wert. Beim Fußball sagt dem Verlierer doch auch niemand, dass sie aber toll gespielt haben. – Aber zum Glück bin ich kein Miesepeter und behalte das lieber für mich *grins*
Lass dir zumindest von meiner Seite gesagt sein, dass auch Leute, die schneller sind, die langsameren dennoch ebenso bewundern, wenn diese an eben ihre eigenen Grenzen gehen.
Aug 26, 2010 @ 06:42:38
Das in der Öffentlichkeit nur die Besten zählen ist doch OK! Auch ich schaue mir kein Fußballspiel aus der 5. Kreisklasse im Fernsehen an.
Ich bewundere die Sporthelden. Ich bewundere auch deine Fähigkeiten so schnell zu laufen. Das ist nicht der Punkt und wird von mir aich überhaupt nicht in Frage gestellt.
Für mich ist es eher wichtig, dass jeder Einzelne sich in erster Linie an sich misst. Nach seinen Möglichkeiten versucht an seine Grenzen zu gehen. Und das er auf seine Leistungen stolz ist. Unabhängig von Zeiten und Rekorden.
Bei den meisten ist jeder Schritt den sie Laufen, ein Sieg gegen die Trägheit!
Aug 25, 2010 @ 19:48:39
Wo ist der “Like”-Button? Da kommt ja der Philosoph aus dir heraus. Vor allem den Satz “Aber ich bewundere aber auch genauso die Menschen die sich Ihren Traum vom Marathon in 6 Stunden erfüllen.” gefält mir sehr gut und diese Leute sind sicherlich genauso Gewinner wie die Erstplatzierten in Wettkämpfen. Wenn ich mir bspw. den IronMan anschaue, dann bin ich meist auch mehr von den Leuten gerührt, die sich nach vielen Stunden ins Ziel schleppen, als die absoluten Musterprofis, da Erstgenannte einfach noch mehr Mensch sind.
Gruß aus Südafrika, Daniel.
Aug 26, 2010 @ 06:45:02
Danke Daniel,
es ist für jeden Menschen ein Sieg, wenn er seine Ziele erreicht. Egal wo diese liegen. Wichtig ist nur, sich realistische Ziele zu setzen.
Je realistischer die Ziele, desto höher die Anzahl der Siege!
Aug 25, 2010 @ 19:57:45
Genau so, Gerd, klasse geschrieben… Viele Deiner Sätze passen auch auf mich. Und wenn ich nur heute an die gelaufenen 12 km denke – ich hab derart viel erlebt heute, das war Unterhaltung pur… ;)
Aug 26, 2010 @ 06:47:49
Dann mal herzlichen Glückwunsch, Du Gewinnerin!
Aug 25, 2010 @ 21:02:18
Ja, da kann ich mich nur anschliessen.
Super geschrieben. Ich hoffe immer dass viele so denken!
Gruss
heike
Aug 26, 2010 @ 06:52:37
Da bin ich mir sogar ganz sicher Heike,
sonst würden beim diesjährigen FRA-Marathon nicht wieder zigtausende an den Start gehen.
Aug 25, 2010 @ 21:17:11
Genau den Punkt getroffen, Perfekt
Gruß
Peter
Aug 26, 2010 @ 06:53:11
Danke Peter!
Aug 25, 2010 @ 21:41:04
Sehr schön zu lesen. Like,like,like!
Das kann ich genauso unterschreiben!
Aug 26, 2010 @ 06:53:40
Zum Glück denken viele so Christian!
Aug 25, 2010 @ 23:06:51
Toll geschrieben, Gerd!
Ich hatte beim Lesen von Anfang an das Gefühl, dass hier jemand genau weiß, was er da schreibt. Es ist Deine Einstellung zum Laufen und davon bist Du überzeugt. Schön, wenn man weiß, was man will.
Meiner Einstellung zum Laufen entspricht es nicht ganz. Zwar laufe ich auch ab und zu, um abschalten und die Ruhe bzw. Natur genießen zu können. Doch wenn ich ehrlich bin, dann laufe ich hauptsächlich, um mich und meinen Körper zu fordern und mich zu verbessern. Ich möchte einfach wissen, was möglich ist. Ich war halt schon immer ein Wettkampftyp. Aber wie Du schon geschrieben hast, sind es die eigenen Grenzen, die interessieren. Für andere sind meine Zeiten nicht erwähnenswert. Für mich selbst dagegen schon. Ich bewundere sowohl meinen Kumpel, wenn er den Marathon in 2:45 läuft, als auch jeden anderen, der an seine Grenzen geht. Hm, so unterschiedlich sind unsere Sichtweisen anscheinend doch nicht.
Aug 26, 2010 @ 06:58:47
Danke Christian,
ich bewundere natürlich jemanden der einen Marathon in 2:45h Laufen kann. Zumal ich einschätzen kann was man dafür tun muss.
Aber meine Grenzen, und die der meisten anderen “Freizeitsportler”, liegen nun mal nicht bei einer Marathonzeit von 2:45h. Entsprechend muss ich mir meine Ziele nach meinen Bedürfnissen anpassen. Dieses “Anpassen” ist aber für den einen oder anderen nicht ganz so einfach. Manch einer will halt mehr als er kann. Und dies führt oft dazu, dass die Laufschuhe in der Ecke vergammeln.
Mir geht es einfach darum, dass ich weniger wegen irgendwelcher Zielzeiten meinen Sport betreibe, sondern ganz einfach deshalb weil ich ihn liebe!
Aug 25, 2010 @ 23:21:31
Jau!
Aug 26, 2010 @ 06:59:54
Ohne den rechten Spaß an der Sache und ohne eigene Ziele im Visiser zu haben, würde die ganze Sache keinen Sinn machen!
Aug 26, 2010 @ 06:18:38
Wunderbar geschrieben.
Aug 26, 2010 @ 07:01:20
Danke Anja,
eigentlich ist es ja nur dass, was die meisten beim Laufen hält!
Aug 26, 2010 @ 08:42:04
Lieber Gerd,
genau das ist es, besser kann man es nicht beschreiben.
Auch wir sind die ewige Hast nach Bestzeiten satt, wenn sie passieren ist es gut, wenn nicht eben auch.
Und, Verlierer gibt es in meinen Augen sowieso nicht. Deshalb wehre ich mich so sehr gegen den Begriff “Wettkampf”, das hat nämlich den bitteren Beigeschmack, dass es ausser Siegern eben auch Verlierer gibt. Ich nenne solche Dinge dann auch schon seit über einem Jahr “Event”. Jeder, der welchen Lauf auch immer finisht, ist definitiv ein Sieger!
Und noch was, genau aus diesem Grund fühlen wir uns NUR noch bei den Ultras wohl, hier interessiert sich niemand für Zeiten und Platzierungen. Während bei Halb-und auch Marathons die erste Frage nach der Zeit gestellt wird, fragen Ultras erst einmal wie der Lauf selbst war, ob die Strecke und die Verpflegung gefallen hat und wie man sich so gefühlt hat. Auch die Gespräche vor, während und nach einem Lauf haben nichts mit Bestzeiten zu tun, hier geht es um schöne Lauferlebnisse, Tipps wie man manches vielleicht besser machen kann, nette Bekanntschaften und empfehlenswerte Events.
Wir laufen um der Schönheit des Laufens selbst, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Liebe Grüße,
Steffen
Aug 26, 2010 @ 12:30:14
Genau mein Gusto, Steffen!
Aug 26, 2010 @ 10:05:42
Jeder hat das Recht auf seine Leistung stolz zu sein!
Gerd, Du sprichst mir aus der Seele! Mit sich selbst kämpfen, sich triezen und quälen und weiterkommen… Ach, Du hast schon alles und zu schön formuliert. Ich mag das so stehen lassen, aber fünf Mal dick unterstreichen!
Und Dein Nachpost ich glaube ich nicht nötig. Das dürfte eigentlich jeder richtog verstanden haben.
Fühl Dich mal fest gedrückt!
Aug 26, 2010 @ 12:31:52
Danke Eva,
jedem so wie er es gerne hätte!
Aug 26, 2010 @ 13:51:12
Ich habe länger gebraucht um darauf zu reagieren, weil ich oft daran gedacht habe, was dich zu diesem tiefgründigen Bericht bewegt hat. Ich gratuliere dir dazu, dass du Worte formuliert hast, die viele wohl denken, aber nicht so klar formulieren. Wie anderen Bloggern auch, so gefällt mir die Passage “Auch an Grenzen zu gehen. An meine Grenzen.”. JA, welche denn sonst!
Naturgemäß gibt es in einigen Fällen auch andere Meinungen. So genieße ich es schon, hin und wieder “am Stockerl” zu stehen, obwohl ich meine Grenzen wohl ausreize, aber nicht überschreite!
Zum Schluss schreibst du: Mein sportlicher Traum, mein sportliches Ziel und mein sportlicher Wunsch ist, “so lange Laufen zu können wie es gesundheitlich nur geht”. Das kann ich als 61-jähriger nur doppelt unterstreichen, habe ich doch vor, dies mindestens bis achzig zu tun!
Ich danke dir sehr herlich für deine wunderbaren Zeilen – Reinhard
Aug 26, 2010 @ 18:50:28
Es ist mir eine Freude wenn es Dir gefällt.
Und ganz soooo tiefgründig ist es eigentlich gar nicht. Für mich ist das Laufen eine Herzensangelegenheit geworden.
Da steht das Laufen im Vordergrund. Und natürlich der Spaß.
Alles andere ist eine gern genommene Zugabe!
Aug 27, 2010 @ 09:53:13
Du hast soooo Recht! Vielen Dank.
Aug 27, 2010 @ 19:18:45
Bitte, gerne geschrieben.
Aug 27, 2010 @ 10:49:41
Hallo Gerd,
“Jeder hat das Recht auf seine Leistung stolz zu sein!
Auch ich. Egal was andere darüber denken.
Was zählt bin ganz alleine Ich”
Sehr schöner Text – da ist viel Wahres dran.
Das ist auch genau die Sichtweise, die ich zu meinem HM-Debüt (am Sonntag *bibber*) mitnehmen werde .
Aug 27, 2010 @ 19:19:28
Dann drücke ich mal ganz fest die Daumen!
Wo läufst Du denn?
Aug 28, 2010 @ 16:44:39
In Bochum beim Kemnader Burglauf.
Ist ne schöne flache Strecke – 2x um den See
Aug 29, 2010 @ 11:21:43
Dann bin ich ja mal auf deine Erlebnisse gespannt!
Aug 30, 2010 @ 09:43:36
So, bin gut durchgekommen. 2:06.
Hab mich an einen anderen Läufer gehängt und wir haben das zusammen durchgezogen. Bin gut zufrieden
Aug 30, 2010 @ 16:05:09
Dann mal herzlichen Glückwunsch!
Ich hatte bei meinem HM-Debüt nur eine 2:15h!
Aug 27, 2010 @ 10:54:36
http://www.ideenlese.de/2009/09/marathon-berlinvom-gluck-einen-marathon-zu-bewaltigen/#content
Liebe Grüße!
Christine
Aug 27, 2010 @ 19:19:57
Nur wer es selbst erlebt hat, weiß was es bedeutet!