Darmstadt-Marathon 2010

Nun ist er schon wieder Geschichte. Mein zweiter Marathon. Dieses Mal lediglich als “Trainingsmarathon” geplant.
Sozusagen als “fremdverpflegter” langer Lauf am Wochenende. Kam mir auch teilweise genauso vor. Aber dazu später mehr!

Nach einer sehr ruhigen und erholsamen Nacht habe ich mich gegen 6:30 Uhr zu einem “üppigen” Frühstück hinreißen lassen. Ein Stück Toast mit Honig. Für mich genau die richtige Grundlage vor einem langen Lauf. Kein Kaffee, was mir zwar schwer fällt, aber aus schlechten Erfahrungen leider so hingenommen werden muss.
Mit den neuen Fix-Points-Magneten die Startnummer an meinem Shirt befestigt, das Notwendigste eingepackt und ab ging es kurz vor acht Richtung Darmstadt.

Knackig kalt war´s. Um die 8°C. Dazu herrlicher Sonnenschein. So ein bisschen Befürchtungen dass es wieder so heiß werden könnte keimten schon auf. Aber zum Glück ging es “nur” bis auf 18°C im Laufe des Rennens. Mehr habe ich aber auch auf keinen Fall gebraucht. ;-)

Da es mir draußen noch ein bisschen zu frisch war, habe ich mich bis kurz vor dem Start in der Kleiderhalle aufgehalten. Bei meinen Laufgeschwindigkeiten muss ich mich vorher nicht war machen. Ich laufe mich locker die ersten Kilometer während des Rennens warm. ;-)
Kurz vor 9:00Uhr begab ich mich in die Startaufstellung. Wieder schön am Ende, schließlich war mein Ziel ein lockeres Läufchen so um die 4:45h.
Entsprechend hatte ich meine Polar auf eine Pace zwischen 6:30min/km und 7:00min/km eingestellt. Das würde, so hatte ich mir vorher gedacht, eine gleichmäßiges Rennen erlauben.

Pünktlich um 9:00Uhr ging´s los. zusammen mit weiteren knapp 200 Marathonläufern, 40 Staffeln und gut 900 Halbmarathonläufern setzten wir uns in Bewegung. Das gefährliche an Darmstadt sind die ständig wechselnden Verhältnisse.
Auf und Ab.
Asphalt, Schotter und teilweise Kopfsteinpflaster.
So ein richtig, gleichmäßiger Rhythmus ist schwer zu finden.
Vor allem wird ein zu schnelle Angehen besonders hart bestraft!

Da ich in Darmstadt nun schon das dritte Mal starte, kannte ich die Tücken der Strecke und habe mich entsprechend bewusst zurückgehalten. Auf den ersten zwei Kilometern ging es schon mal 50 Höhenmeter zu überwinden. Auf Asphalt und vor allem auf ausreichend breiten Straßen.
Es hatten sich sogar ein paar Darmstädter aus den Häusern bewegt und den Teilnehmer ein bisschen Unterhaltung und Zuspruch gegönnt. Leider, auf die Gesamtstrecke bezogen, eher ein ärmliches Bild für so eine sportbegeisterte Stadt wie Darmstadt. Da hätte ich mir doch ein bisschen mehr erwartet.

Die nächsten 7 Kilometer verliefen im Wald. Ab und an ein bisschen eng auf den Wegen, aber im Großen und Ganzen locker zu Laufen. Mein Puls lag angenehm zwischen 80-85% der HFmax. Locker, flockig!
das einzige Ärgernis war, dass ich schon die ersten 10 Kilometer 2 mal in die Büsche müsste. Und dass, obwohl ich keinen Kaffee getrunken hatte.
“Konfirmantenbläschen!” ;-)
Die Verpflegung war ausreichend und von allem war genügend geboten.

Ein bisschen genervt wurde ich von meiner Polar. Die eingegebene Grenze von 6:30 min/km wurde ständig ein bisschen überschritten. Entsprechend kam ein nervendes Piepsen und wies mich darauf hin, dass ich zu schnell sei. Beim nächsten Mal stell ich das definitiv ab.
Aber während des Laufes habe ich die Finger von der Uhr gelassen. Ich kenne mich.
Ein falsches Drücken und alles wäre wieder verstellt. ;-)
Aber beim nächsten Mal weiß ich Bescheid!

Bei Kilometer 12, nach einem weiteren Besuch des Dixi-Häuschens, ging es hinauf zum Oberfeld. Freies Feld mit unangenehmer Steigung und noch viel unangenehmeren Gegenwind. Dazu voll in der Sonne. Da freute man sich schon richtig auf die zweite Runde!
Oben im Wald angekommen hat man schon ein paar richtig schöne Höhenmeter in den Beinen und kann das angenehme Waldstück zurück zum Oberwaldhaus endlich mal wieder ein paar Meter locker das leichte Gefälle genießen.

Bis es zurück geht in die Stadt. Am Oberwaldhaus die Dieburger Straße hinauf zu den “Hirschköpfen” am Jagdhaus. Böse Steigung, die ich zum Glück die letzten Wochen auf meinem Weg zur Arbeit schon zur genüge gelaufen bin. Entsprechend kannte ich die Quälerei.
Hilft zwar wenn man´s weiß, nützt aber dennoch wenig. Laufen muss man´s! ;-)

Oben angekommen kommt eigentlich der schöne Teil der Strecke. Runter in die Darmstädter City! Da kann man es so richtig Laufen lassen.
Hier und da ein kleiner Zwischenanstieg damit es einem nicht zu wohl wird, aber dennoch gut zu Laufen.

Rosenhöhe!
Mathildenhöhe!
Darmstadtium!
Herrengarten!

Leider wieder mit viel zu wenig Publikum. Schade.
Ich hatte die letzten Kilometer einen netten Begleiter, welcher seinen ersten HM lief. Da wir den gleichen Rhythmus liefen und rundherum nicht so viel los war, sind wir die letzten Kilometer bis zum Ende der ersten Runde gemeinsam gelaufen. Es gab viel zu erzählen, und die Zeit vergeht wie im Flug!

Nach knapp 21 Kilometer trennten sich unsere Wege. Er bog ab in´s Stadion und ich auf meine zweite Runde!

Aus den 9°C waren nun bereits 15°C geworden und ich nahm für die zweiten 21 Kilometer mal gleich meinen Schamm in die Hand. Trinken und Abkühlen sind zwei wichtige Punkte für mich. Als “hitziger” Läufer sind mir Temperaturen über 12°C eigentlich ein Greuel. Aber man kann´s sich es ja nicht aussuchen.
Also das Beste daraus machen!

Nachdem die Halbmarathonläufer abgebogen waren war die Strecke leer!
Von jetzt auf nichts war ich so gut wie alleine auf der Strecke. Als erstes kam mir ein Auto entgegen. Da hatte sich echt so ein Penner in die mit Pilonen abgesperrte gezwängt, war über die Zeitnehmermatte gefahren, und kam mir frontal entgegen.
Wie blöd kann man eigentlich sein?
Ich gehe einmal davon aus, dass der nette Polizist ein paar passende Worte für den Mann hatte! ;-)

Zum Beginn der zweiten Runde machte der erste Anstieg wesentlich mehr Mühe als beim Start. Der Puls zog zwischenzeitlich mal über die 90% HFmax an, und konnte erst durch reichlich Einsatz von Wasser über dem Kopf, wieder auf ein erträgliches Maß reduziert werden.
Einsam lief ich nun meine Kilometer runter. Vor mir lief im Abstand von 300 Metern eine Frau. Hinter mir hörte ich niemanden.
Wenigstens kam ein bisschen Spaß bei den Verpflegungsstellen auf. Zeit für ein Schwätzen ist bei mir immer drinn.
Zumal ich bei Kilometer 25 mein erstes Gel zu mir nehmen wollte.
Leider bekam ich das Schei…ding nicht auf. Aber die anwesenden Helfer hatten schnell eine Schere zu Hand, und ich könnte die zuckersüße, körperwarme Brühe mit massig Wasser herunterspülen.
Ein Lob auf das gute Darmstädter Leitungswasser! ;-)

Bis Kilometer 35 hielt ich meinen Puls immer noch unter 90% HFmax. Dann ging es wieder hoch zum Oberfeld. Ich hatte das Gefühl der Wind hatte noch zugelegt.
Oder wurde einfach die Kraft weniger?
Egal! Gleichmässig, und mit kleinen Schritten quälte ich mich hoch.
Wohlwissen, dass der schlimmste Anstieg ja noch bevor stand. Also immer noch ein bisschen auf die Bremse treten.
Hier wurde mir zum ersten mal bewusst, dass ich meine Polar ein bisschen falsch kalibriert hatte. Sie zeigte mir jetzt schon fast einen Kilometer weniger an als die offizielle Streckenausschilderung. Im Kopf wurde schnell eine mögliche Endzeit hochgerechnet.
Wow! Im Augenblick lag ich locker unter 4:40h!
Das wäre natürlich wesentlich mehr als erwartet.
Und vor allem verleit es Flügel.

Entsprechend gab ich nochmal ein bisschen Gas.
Die Polar piepste sich den Wolf.
Was soll´s. Es war ja keiner außer mir da. ;-)

Nachdem ich die letzte Steigung in Angriff genommen hatte, wurde nochmal die “Wutz durch Darmstadt getrieben”. So richtig mit Schmackes ging es in die Innenstadt.
Immer in der Hoffnung: Hoffentlich reicht es hinten raus!
Es hat gereicht.
Obwohl die “Ehrenrunde” im Stadion eine richtige Qual war. Hätte ich nicht mehr gebraucht!
Aber als ich mit meinen 4:34:45h über die Ziellinie stolperte, war alles vergessen.
Ich war richtig happy, dass ich auf solch einer schwierigen Strecke, meine bisherige Marathonzeit um fast eine halbe Stunde verbessern konnte.
Damit hatte ich absolut nicht gerechnet.

Meine beiden Mädels übrigens auch nicht. Die kamen genau ins Stadion eingetrudelt, wie ich einbog.
So langsam müssen die beiden sich wohl damit abfinden, dass Papa einen Zahn zugelegt hat. ;-)

Für´s Treppchen hat´s leider nicht mehr gereicht.
Aber ich habe ausreichend zu Essen und zu Trinken gekriegt.

Und der Letzte war ich auch nicht. ;-)

Zeitnahme Mikatiming

Zeitnahme Mikatiming

Höhenmeter und Puls

Höhenmeter und Puls

Darmstadt Rundenzeiten

Darmstadt Rundenzeiten

Bevor ich es wieder vergesse! Die FixPoints habe übrigens einwandfrei gehalten. Keinerlei Probleme!
Kein Scheuern. Einfach nur toll!

Kriegen von mir die Note “Sehr Gut”!