Schneetour nach Etzen-Gesäß

Eigentlich hatte ich ja letztes Jahr schon vor zu meinen Eltern in den Odenwald zu laufen. Aber irgendwie kam immer etwas dazwischen. Da war eigentlich klar, dass wenn ich es auf meine Planung nehme mal wieder was außergewöhnliches passiert. Diesmal war es das Wetter welches ein wenig extrem daherkam. Aber Wetter hat mich bisher noch nie von einem Lauf abgehalten. Und so war es auch dieses mal!

Es war ja Schnee angekündigt, aber mit so viel hatte ich dann doch nicht gerechnet. Beim ersten Blick in den Hof war ich schon ein wenig überrascht.

Unser Garten
Unser Garten

Also wählte ich vorsichtshalber meine Salomon XT Wings. Die funktionieren im Pulverschnee eigentlich ganz gut. Und da es nicht unbedingt hart gefroren war, sind sie bei Matschpassagen unschlagbar. Im nachhinein die einzig wahre Lösung für diese Strecke!
Eine kleine Banane gefrühstückt, meinen Deuter-Trinkrucksack (mit Tee gefüllt) umgeschnallt und vorsichtshalber einen Riegel Isostar Protein eingepackt. Man weis ja nie was so kommt.

Punkt 7:29Uhr drückte ich die Start-Taste auf meinem Forerunner.
Die ersten Meter durch Groß-Zimmern schlitterte ich ein wenig durch die Gassen. Oft mit einem mitleidsvollen Blick der brötchenholenden  Autofahrer beäugt. Ich gehe davon aus das bei den meisten das befreien des Autos von Eis und Schnee länger gedauert hat, als die 400m Fahrt zum Bäcker. ;-)

Ich ging die ganze Sache sehr, sehr gemächlich an. Zumal ich mich nicht 100%ig fit fühlte. Irgendwie hatte ich ein wenig Probleme mit meinen Bronchien. Also so ganz optimale Bedingungen waren es nicht. Aber ich hatte ja Zeit. Meine Ziel war so nach 3 bis 3,5 Stunden im Odenwald anzukommen. Bei 25km eine realistische Vorgabe. ;-)
Nach gut 800Meter lief ich durch unseren tief verschneiten und wunderbar anzuschauenden “Alten Friedhof”.

"Alter Freidhof" Groß-Zimmern
“Alter Friedhof” Groß-Zimmern

Das mein Puls schon bei 80% der Hfmax lag machte mich ein wenig unsicher. Da ich mich aber gut fühlte machte ich mir keine Sorgen. Weiter ging es runter zur Gersprenz und dort ab Richtung Reinheimer Teich.
Als ich auf das freie Feld zwischen Groß-Zimmern und Reinheimer Teich hinauslief wirkte die Landschaft ziemlich trostlos. Alles war in einem milchigen Weiß eingepackt. Zudem zog noch Nebel auf. So langsam sah ich meinen schönen Motive im Nebel verschwinden.
[slideshow id=24]

Kein optimales Wetter zum Fotografieren. Aber vielleicht kommt ja noch die Sonne heraus. Schließlich hatte ich ja noch einen langen Weg vor mir. Es ging vorbei an den Rindern am Reinheimer Teich und nach 5,5 Kilometern erreichte ich Reinheim. Kurz durch die kleinen Wege am Sportplatz und durch die Kleingartenanlage am Wembach und direkt über die Gersprenz nach Ueberau.

Die Gersprenz bei Ueberau

Die Gersprenz bei Ueberau

Kurz vor Ueberau

Kurz vor Ueberau

In Ueberau ging es den ersten kleineren Anstieg zum Friedhof hoch. Insgesamt steigt man durch Ueberau hindurch, bis auf die freien Felder (Katzenloch, Fuchsloch) zwischen Ueberau und Nieder-Klingen, ca. 40 Höhenmeter auf einem Kilometer. Genau das richtige zum warm werden. ;-)

Leider wurde das Wetter immer diesiger und die Sicht tendierte im Nebel fast gegen Null. So in der Art stelle ich mir Schneeblindheit vor. Eine Sonnenbrille wäre in diesem Augenblick angebracht gewesen.

Schneeblind zwischen Ueberau und Nieder-Klingen

Schneeblind zwischen Ueberau und Nieder-Klingen

Ab hier ging es wieder hinunter nach Nieder-Klingen. Am Sportplatz vorbei und auf der Hauptstraße ab nach rechts. Leider muss man den Abschnitt zwischen Nieder- und Ober-Klingen einen Teil auf der Hauptstrasse ohne Seitenstreifen laufen. Nicht schön, aber bisher habe ich noch keine adäquate Ausweichstrecke gefunden. Es handelt sich zwar nur um 300 Meter, aber bei den Witterungsbedingungen nicht wirklich spaßig. Kurz vor Ober-Klingen geht es dann rechts runter von der Straße und an der Semme entlang in den Ort.

Ortskern Ober-Klingen

Ortskern Ober-Klingen

Leider hatte ich kurz vor dem Ortsausgang nochmal eine leidige Erfahrung mit einer Hundebesitzerin. Die beiden Hunde waren zwar angeleint, trotzdem sollte man von einem Hundehalter oder einer Hundehalterin erwarten könne, dass man die Leine auch entsprechend kurz hält. Zumal sie mich genau gesehen hatte. Jedenfalls sprang mich der große Schäferhundmischling an und verfehlte mich nur knapp. Den nachfolgenden Wortwechsel möchte ich hier nicht wiederholen. ;-)

Nachdem mein Adrenalinspiegel wieder auf ein erträgliches Maß gefallen war kam ich zum Ortsausgang von Ober-Klingen. Kilometer 12,5. Laufzeit immerhin schon 1 1/2 Stunden. Puls zwischen 80 und 85%. Trotzdem fühlte ich mich richtig gut. Wohlwissend das der schwerste Teil der Strecke ja noch vor mir liegt. ;-)

Ortsaugang Ober-Klingen

Ortsausgang Ober-Klingen

Bach von der Auwiese

Bach von der Auwiese

Nach dem kurzen Stück auf der Landstraße an der Schmelzmühle vorbei ging es dann links ab in den Wald Richtung Hassenroth!

Beerbach

Beerbach

Hier fliessen einige Bächlein entlang und geben natürlich herrliche Motive ab bei dieser Witterung.

Jedenfalls war ich froh das bei dem diesigen Wetter ein paar Motive am Wegesrand lagen die es sich zu fotografieren lohnt.

Ab nach Hassenroth

Ab nach Hassenroth

Ab hier war ich nun ganz für mich alleine. Die ersten Meter noch neben den offenen Wiesen. Schotterpiste mit Pulverschnee überzogen. Vorsicht war angebracht damit man nicht umknickt.

Weg nach Hassenroth

Weg nach Hassenroth

Ab hier absolute Ruhe und unbenutzte Wege voller Neuschnee. Am Anfang noch relativ wenig. Ich denke mal so um die 5 bis 10cm.

Aufstieg am Ameisenberg nach Hassenroth

Aufstieg am Ameisenberg nach Hassenroth

So richtig zum Genießen kam ich leider nicht, denn nun ging es immer steiler nach oben. Der Schnee wurde zunehmend mehr und die Gehpausen auch. Hier kommt mir natürlich jedes Motiv recht das eine kurze Pause verlangt. ;-)

An den Fischteichen vorbei ging es immer steiler nach oben. Es querten ein paar Rehe meinen Weg, die ich leider nicht rechtzeitig auf´s Bild bekam.

Aber man kann ja auch die Spuren der Waldbewohner bewundern. Hier mal ein Fuchs der vor einigen Stunden meine Strecke erkundetet.

Fuchsspuren im Schnee

Fuchsspuren im Schnee

Märchenwald

Märchenwald

Der Schnee wurde immer mehr und die landschaft sah aus wie im Märchenwald. Einfach traumhaft. Das einzige was noch fehlte wäre ein bisschen Sonne gewesen. Aber man kann ja nicht alles haben.

Märchenwald

Märchenwald

So langsam fing es an in den Waden zu ziehen. Die Steigungen machten sich doch bemerkbar und ich freute schon darauf endlich oben in Hassenroth anzukommen.

Nach 2 Stunden und 10 Minuten war ich endlich oben. Auf 370 müNN und nach gut 16 Kilometern auch schon ein bisschen müde. Nicht erschöpft aber die Beine zeigten schon Wirkung. Vor allem die Waden. Ein kleiner Imbiss und ein bisschen Dehnen und es konnte wieder weiter gehen.

Kurz runter durch das kleine Neubaugebiet in Hassenroth und dann wieder einen Gegenhang hoch auf die Hassenrother Höhe.
Traumhafter Ausblick.

Hassenrother Höhe

Hassenrother Höhe

Jedenfalls wenn das Wetter mitspielt. Heute hielt es sich merklich zurück. ;-)

Trotzdem möchte ich Euch die Aussicht nicht vorenthalten. Im Sommer und bei klarer Sicht ein Traum vom Odenwald. Schon eine schöne Ecke in der wir da Wohnen dürfen.

Hassentother Höhe

Hassenrother Höhe

Ab hier ging es den restlichen Teil der Strecke tendenziell bergab. Ziemlich steil durch Hummetroth. Wenn man glaubt, dass dies eine Wohltat für die strapazierten Beine ist, irrt man sich gewaltig. Das Bergab laufen tut richtig weh.

Entsprechend erntete ich auch ein paar mitleidvolle Blicke von Menschen die sich nicht vorstellen konnten was dieser vermummte Mann mit dem Rucksack und dem leidenden Gesichtsausdruck hier “laufend” absolvierte. Macht auch nix. Hauptsache ich hatte meinen Spaß!

In Hummetroth am Sportplatz vorbei und über die L3106 zur Haselburg. Ich hatte ja schon mal von einer Biketour darüber berichtet. Leider bei meiner letzten Upgrade-Orgie für immer verschollen. ;-)

An der Haselburg

An der Haselburg

19 Kilometer und 2 Sunden 30 Minuten hatte ich nun schon in den Beinen. Zusätzlich lagen hier oben fast 15cm Neuschnee.

Herrlicher Pulverschnee.

Blick auf "Oberes Gesäß"

Blick auf "oberes Gesäß"

Leider war der Untergrund darunter nicht gefroren sondern ziemlich schlammig. Auf den mit Traktorreifen bearbeiteten Wegen nicht nur spaßig.
Aber der Blick auf´s “obere Gesäß” entschädigte mich für die Anstrengungen. :lol:

Ab hier ging es wieder durch den Wald, abwärts nach Nieder-Kinzig. Und hier kam auch die Sonne heraus und verwandelte den Wald in ein funkelndes und leuchtendes Märchenland. Da wurden natürlich die letzten Kräfte mobilisiert und es ging nochmals ein Ruck durch den Körper. Langsam ging es dem Ende zu. Am Waldrand über Nieder-Kinzig waren nun 22 Kilometer absolviert und ich hatte bereits gut 2 Stunden Laufen in den Beinen.
[slideshow id=25] Nun geht es nochmal super steil bergab. Genau an dieser Stelle hat mich ja letztes Jahr eine Frau mit dem Auto aus dem Bikesattel gehoben. Zum Glück musste ihr Dackel heute nicht pinkeln und ich kam ohne Unfall runter nach Nieder-Kinzig. Hier hat es im Durchschnitt auf den 800 Metern einen Höhenunterschied von 90 Metern.
Bin ich übrigens letztes Jahr mit dem Bike hoch.
Empfehlenswert. :mrgreen:

Die letzten beiden Kilometer von Nieder-Kinzig nach Etzen-Gesäß sind weniger schön. Es geht links auf einem, heute zugeeisten und matschigen Bürgersteig, neben der Hauptstraße entlang. Aber ich hatte ja auch genug erlebt und gesehen. Außerdem ging mir so langsam die Kraft aus. Ich war froh das ich es geschafft hatte.

Und ich bin mir sicher, dass es nicht die letzte Tour in dieser Richtung war.
:mrgreen: