Feb 15 2009
Schneetour nach Etzen-Gesäß
Eigentlich hatte ich ja letztes Jahr schon vor zu meinen Eltern in den Odenwald zu laufen. Aber irgendwie kam immer etwas dazwischen. Da war eigentlich klar, dass wenn ich es auf meine Planung nehme mal wieder was außergewöhnliches passiert. Diesmal war es das Wetter welches ein wenig extrem daherkam. Aber Wetter hat mich bisher noch nie von einem Lauf abgehalten. Und so war es auch dieses mal!
Es war ja Schnee angekündigt, aber mit so viel hatte ich dann doch nicht gerechnet. Beim ersten Blick in den Hof war ich schon ein wenig überrascht.
Also wählte ich vorsichtshalber meine Salomon XT Wings. Die funktionieren im Pulverschnee eigentlich ganz gut. Und da es nicht unbedingt hart gefroren war, sind sie bei Matschpassagen unschlagbar. Im nachhinein die einzig wahre Lösung für diese Strecke!
Eine kleine Banane gefrühstückt, meinen Deuter-Trinkrucksack (mit Tee gefüllt) umgeschnallt und vorsichtshalber einen Riegel Isostar Protein eingepackt. Man weis ja nie was so kommt.
Punkt 7:29Uhr drückte ich die Start-Taste auf meinem Forerunner.
Die ersten Meter durch Groß-Zimmern schlitterte ich ein wenig durch die Gassen. Oft mit einem mitleidsvollen Blick der brötchenholenden Autofahrer beäugt. Ich gehe davon aus das bei den meisten das befreien des Autos von Eis und Schnee länger gedauert hat, als die 400m Fahrt zum Bäcker.
Ich ging die ganze Sache sehr, sehr gemächlich an. Zumal ich mich nicht 100%ig fit fühlte. Irgendwie hatte ich ein wenig Probleme mit meinen Bronchien. Also so ganz optimale Bedingungen waren es nicht. Aber ich hatte ja Zeit. Meine Ziel war so nach 3 bis 3,5 Stunden im Odenwald anzukommen. Bei 25km eine realistische Vorgabe.
Nach gut 800Meter lief ich durch unseren tief verschneiten und wunderbar anzuschauenden “Alten Friedhof”.
Das mein Puls schon bei 80% der Hfmax lag machte mich ein wenig unsicher. Da ich mich aber gut fühlte machte ich mir keine Sorgen. Weiter ging es runter zur Gersprenz und dort ab Richtung Reinheimer Teich.
Als ich auf das freie Feld zwischen Groß-Zimmern und Reinheimer Teich hinauslief wirkte die Landschaft ziemlich trostlos. Alles war in einem milchigen Weiß eingepackt. Zudem zog noch Nebel auf. So langsam sah ich meinen schönen Motive im Nebel verschwinden.
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Kein optimales Wetter zum Fotografieren. Aber vielleicht kommt ja noch die Sonne heraus. Schließlich hatte ich ja noch einen langen Weg vor mir. Es ging vorbei an den Rindern am Reinheimer Teich und nach 5,5 Kilometern erreichte ich Reinheim. Kurz durch die kleinen Wege am Sportplatz und durch die Kleingartenanlage am Wembach und direkt über die Gersprenz nach Ueberau.
In Ueberau ging es den ersten kleineren Anstieg zum Friedhof hoch. Insgesamt steigt man durch Ueberau hindurch, bis auf die freien Felder (Katzenloch, Fuchsloch) zwischen Ueberau und Nieder-Klingen, ca. 40 Höhenmeter auf einem Kilometer. Genau das richtige zum warm werden.
Leider wurde das Wetter immer diesiger und die Sicht tendierte im Nebel fast gegen Null. So in der Art stelle ich mir Schneeblindheit vor. Eine Sonnenbrille wäre in diesem Augenblick angebracht gewesen.
Ab hier ging es wieder hinunter nach Nieder-Klingen. Am Sportplatz vorbei und auf der Hauptstraße ab nach rechts. Leider muss man den Abschnitt zwischen Nieder- und Ober-Klingen einen Teil auf der Hauptstrasse ohne Seitenstreifen laufen. Nicht schön, aber bisher habe ich noch keine adäquate Ausweichstrecke gefunden. Es handelt sich zwar nur um 300 Meter, aber bei den Witterungsbedingungen nicht wirklich spaßig. Kurz vor Ober-Klingen geht es dann rechts runter von der Straße und an der Semme entlang in den Ort.
Leider hatte ich kurz vor dem Ortsausgang nochmal eine leidige Erfahrung mit einer Hundebesitzerin. Die beiden Hunde waren zwar angeleint, trotzdem sollte man von einem Hundehalter oder einer Hundehalterin erwarten könne, dass man die Leine auch entsprechend kurz hält. Zumal sie mich genau gesehen hatte. Jedenfalls sprang mich der große Schäferhundmischling an und verfehlte mich nur knapp. Den nachfolgenden Wortwechsel möchte ich hier nicht wiederholen.
Nachdem mein Adrenalinspiegel wieder auf ein erträgliches Maß gefallen war kam ich zum Ortsausgang von Ober-Klingen. Kilometer 12,5. Laufzeit immerhin schon 1 1/2 Stunden. Puls zwischen 80 und 85%. Trotzdem fühlte ich mich richtig gut. Wohlwissend das der schwerste Teil der Strecke ja noch vor mir liegt.
Nach dem kurzen Stück auf der Landstraße an der Schmelzmühle vorbei ging es dann links ab in den Wald Richtung Hassenroth!
Hier fliessen einige Bächlein entlang und geben natürlich herrliche Motive ab bei dieser Witterung.
Jedenfalls war ich froh das bei dem diesigen Wetter ein paar Motive am Wegesrand lagen die es sich zu fotografieren lohnt.
Ab hier war ich nun ganz für mich alleine. Die ersten Meter noch neben den offenen Wiesen. Schotterpiste mit Pulverschnee überzogen. Vorsicht war angebracht damit man nicht umknickt.
Ab hier absolute Ruhe und unbenutzte Wege voller Neuschnee. Am Anfang noch relativ wenig. Ich denke mal so um die 5 bis 10cm.
So richtig zum Genießen kam ich leider nicht, denn nun ging es immer steiler nach oben. Der Schnee wurde zunehmend mehr und die Gehpausen auch. Hier kommt mir natürlich jedes Motiv recht das eine kurze Pause verlangt.
An den Fischteichen vorbei ging es immer steiler nach oben. Es querten ein paar Rehe meinen Weg, die ich leider nicht rechtzeitig auf´s Bild bekam.
Aber man kann ja auch die Spuren der Waldbewohner bewundern. Hier mal ein Fuchs der vor einigen Stunden meine Strecke erkundetet.
Der Schnee wurde immer mehr und die landschaft sah aus wie im Märchenwald. Einfach traumhaft. Das einzige was noch fehlte wäre ein bisschen Sonne gewesen. Aber man kann ja nicht alles haben.
So langsam fing es an in den Waden zu ziehen. Die Steigungen machten sich doch bemerkbar und ich freute schon darauf endlich oben in Hassenroth anzukommen.
Nach 2 Stunden und 10 Minuten war ich endlich oben. Auf 370 müNN und nach gut 16 Kilometern auch schon ein bisschen müde. Nicht erschöpft aber die Beine zeigten schon Wirkung. Vor allem die Waden. Ein kleiner Imbiss und ein bisschen Dehnen und es konnte wieder weiter gehen.
Kurz runter durch das kleine Neubaugebiet in Hassenroth und dann wieder einen Gegenhang hoch auf die Hassenrother Höhe.
Traumhafter Ausblick.
Jedenfalls wenn das Wetter mitspielt. Heute hielt es sich merklich zurück.
Trotzdem möchte ich Euch die Aussicht nicht vorenthalten. Im Sommer und bei klarer Sicht ein Traum vom Odenwald. Schon eine schöne Ecke in der wir da Wohnen dürfen.
Ab hier ging es den restlichen Teil der Strecke tendenziell bergab. Ziemlich steil durch Hummetroth. Wenn man glaubt, dass dies eine Wohltat für die strapazierten Beine ist, irrt man sich gewaltig. Das Bergab laufen tut richtig weh.
Entsprechend erntete ich auch ein paar mitleidvolle Blicke von Menschen die sich nicht vorstellen konnten was dieser vermummte Mann mit dem Rucksack und dem leidenden Gesichtsausdruck hier “laufend” absolvierte. Macht auch nix. Hauptsache ich hatte meinen Spaß!
In Hummetroth am Sportplatz vorbei und über die L3106 zur Haselburg. Ich hatte ja schon mal von einer Biketour darüber berichtet. Leider bei meiner letzten Upgrade-Orgie für immer verschollen.
19 Kilometer und 2 Sunden 30 Minuten hatte ich nun schon in den Beinen. Zusätzlich lagen hier oben fast 15cm Neuschnee.
Herrlicher Pulverschnee.
Leider war der Untergrund darunter nicht gefroren sondern ziemlich schlammig. Auf den mit Traktorreifen bearbeiteten Wegen nicht nur spaßig.
Aber der Blick auf´s “obere Gesäß” entschädigte mich für die Anstrengungen. :lol:
Ab hier ging es wieder durch den Wald, abwärts nach Nieder-Kinzig. Und hier kam auch die Sonne heraus und verwandelte den Wald in ein funkelndes und leuchtendes Märchenland. Da wurden natürlich die letzten Kräfte mobilisiert und es ging nochmals ein Ruck durch den Körper. Langsam ging es dem Ende zu. Am Waldrand über Nieder-Kinzig waren nun 22 Kilometer absolviert und ich hatte bereits gut 2 Stunden Laufen in den Beinen.
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Nun geht es nochmal super steil bergab. Genau an dieser Stelle hat mich ja letztes Jahr eine Frau mit dem Auto aus dem Bikesattel gehoben. Zum Glück musste ihr Dackel heute nicht pinkeln und ich kam ohne Unfall runter nach Nieder-Kinzig. Hier hat es im Durchschnitt auf den 800 Metern einen Höhenunterschied von 90 Metern.
Bin ich übrigens letztes Jahr mit dem Bike hoch.
Empfehlenswert. :mrgreen:
Die letzten beiden Kilometer von Nieder-Kinzig nach Etzen-Gesäß sind weniger schön. Es geht links auf einem, heute zugeeisten und matschigen Bürgersteig, neben der Hauptstraße entlang. Aber ich hatte ja auch genug erlebt und gesehen. Außerdem ging mir so langsam die Kraft aus. Ich war froh das ich es geschafft hatte.
Und ich bin mir sicher, dass es nicht die letzte Tour in dieser Richtung war.
:mrgreen:

























Feb 15, 2009 @ 13:29:31
Laufen im Schnee kann was Besonderes sein. Dein sehr schöner Bericht voller schöner Bilder zeigt das.
Ich bin heute zum ersten Mal auf Schnee gelaufen nachdem ich es mir in den letzten Tagen nicht zugetraut hatte wegen der Glättegefahr. Allerdings waren es “nur” 6 km.
Feb 15, 2009 @ 13:50:33
Lieber Gerd, ein ganz dickes Lob für diesen schönen Bericht von einem beachtlichen Lauf in verschneiter Landschaft. Genau diese Berichte und Erlebnisse sind es, die mich anspornen und motivieren so etwas selbst zu erleben, vielen Dank fürs mitnehmen
Die Bilder geben einen guten Eindruck von der herrlichen Landschaft trotz Nebel und diesiger Luft, am besten gefällt mir der “Blick auf oberes Gesäß”. Heute beim Beine lockern gab es bei mir Sonne satt, ich hoffe Du kannst auch profitieren
Schönen Sonntag noch und erhol Dich gut
Feb 15, 2009 @ 14:11:30
Wow. Vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht, mit unglaublich schönen Bildern untermauert. Das von der Gersprenz gefällt mir am besten.
Und da zeigt sich doch mal wieder, dass es besonders bei Schnee einfach schön ist. Wenn es nun ein grauer Frühlingstag wäre, was wäre es vielleicht langweiliger gewesen? Die Atmosphäre im Schnee ist einfach eine andere. Schön, dass du sie uns vermitteln konntest :)
Ich freue mich schon drauf, wenn du weitere ähnliche Touren machst.
Feb 15, 2009 @ 14:54:29
Ach, lieber Gerd,
was für eine Freude, deinen Bericht mit den vielen, schönen Fotos lesen zu können, ein Traum-Lauf, den man jedem Nicht-Läufer einfach mal nur so vor die Nase halten sollte. Entweder es animiert ihn so, dass er sofort die ersten Schritte wagt, oder…………… aber, na, ja, das kennen wir ja.
Mich jedenfalls hat es schon gestern sehr gefreut, von deinem Abenteuer zu lesen, und es hat mich motiviert, Gleiches in anderer Landschaft zu tun.
Schön – ich freue mich für dich und mit dir ! 8)
Feb 15, 2009 @ 15:18:24
supertollen Lauf, bei einfach schönsten Bedingungen
Feb 15, 2009 @ 15:56:18
Hallo Gerd,
ein wunderbarer Bericht – vielen Dank, dass du uns mitgenommen hast!
Die Landschaft und die Fotos eine Wucht und man bekommt große Lust auf so etwas!!
Du weißt ja, dass mich alles PC-mäßige auch immer interessiert: wie bzw mit welchem Programm hast du diese wechselnden Bilder gemacht?
Einen schönen Restsonntag für dich und gute Erholung von gestern
LG Eva
Feb 15, 2009 @ 17:58:53
Noch mehr Winterbilder! Schön! Jetzt habe ich alle meine Lieblingsblogs durchgeschaut und überall gibt es zufriedene Winterläufer und heimelige Familienfotos. Da soll mal jemand behaupten, Winter bringt nur Frust! ;) Annehmen muss man es nur können.
LG Monika
Feb 15, 2009 @ 20:08:09
Danke Bernd,
aber gelaufen ist gelaufen. Egal wie weit.
Danke Christian,
ein Hauptgrund für meinen Blog sind die Fotodokumentationen. Leider sind alle vom letzten Jahr verschollen. Dann müssen halt neue her! :lol:
Danke Hannes,
mach ich auf jeden Fall. Es war definitiv viel zu lange her das ich so eine Tour gemacht hatte. :lol:
Danke Margitta,
aber wenn einer nicht läuft kann er nicht nachvollziehen was man bei so einem Lauf empfindet.
Selber dran schuld. :lol:
Danke Ralph,
der Lauf war anstrengend aber supertoll!
Hallo Eva,
ich habe Euch gerne mitgenommen. Schlie0lich soll man an so einem Ereignis viel teilhaben lassen.
Die Slideshow funktioniert mit einem Plugin für WordPress. Nennt sich NextGEN Gallery. Ich weis nicht ob das bei Dir läuft?
Hallo Monika,
dein Schluss-satz trifft den Nagel auf den Kopf. Man muss das Wetter annehmen und das Beste daraus machen.
Ich war schon nahe dran.
Feb 15, 2009 @ 21:31:47
huhu gerd,
tolle tour und tolle bilder! jetzt hast du mich angefixt: so ne tour zu meinen eltern mit rucksack mach ich demnächst glaub auch einmal. hat ja einen hauch von abenteuer.
Feb 15, 2009 @ 21:32:20
Tja, siehste mal: Ich hatte für den Samstag auf Schnee gehofft, musste aber feststellen, dass es jenseits des Rheins in der Beziehung nix zu holen gab (dafür Sonne satt, das war auch ok…), und du musst dich durch den sibirischen Winter kämpfen – Das Wetter ist nun mal eine launische Geliebte (nur um mal was abgrundtief Dämliches vom Stapel zu lassen… :mrgreen: )
Auf jeden Fall eine total hübsche Strecke, vor allem natürlich der zweite Teil (Hassenroth kenne ich sogar, da war ich früher immer mal bei der Verwandschaft) – und dazu auch noch ein klein wenig bergig, das ist doch perfekt.
Was das Stück zwischen Nieder- und Oberklingen angeht, laut Wanderkarte gibt´s da einen Fußweg mit der Markierung “NK V”,
der parallel zur Strasse zwischen den beiden Orten verlaufen soll – keine Ahnung, ob´stimmt, aber vielleicht ja mal was zum Ausschau halten.
Ansonsten – tolle Tour, und trotz nicht ganz perfekten Wetters sehr schöne Fotos. Exzellent!
Vielleicht schaffen wir ja irgendwann noch mal meinen 27er von Brensbach an den Main, der führt ja auch da hinten lang.
Weiter so, schließlich musst du mörderische Anstiege trainieren… :D !
PS: Und die eherne Regel, dass jeder Odenwaldlaufbericht mit Bildern mindestens ein Foto mit Kühen enthalten muss, hasst du auch beachtet – vorbildlich!
Feb 15, 2009 @ 21:36:52
Hallo Gerd,
ein lebender Bericht, wahnsinnige schöne Winterbilder und eine tolle Leistung … die Idee keine Runde zu laufen, sondern zu wem hin – die gefällt mir (wobei ich bei meinen Eltern nie ankommen würde;))
Auf jede weitere Tour mit Dir und der Kamera und auch ohne freue ich mich jetzt schon!!
Feb 15, 2009 @ 23:00:28
Na, da bin ich ja nicht die einzige, die da unterwegs ist wo sich fuchs und hase gute nacht sagen
))…. no zivilisation …schön..richtig schön – und was so nen langen lauf ausmacht ist natürlich nicht hin und her 12,5km sondern ne ganze strecke in einem – das macht mehr spaß !! schön… und sieht so schön ruhig aus !!
Feb 16, 2009 @ 17:24:54
Hallo Johanna,
Du wirst begeistert sein.
das ist ein Abenteuer. Es gibt immer viel zu sehen und es macht vor allem riesig Spaß. Die Prioritäten sind ganz anders.
Probiere es einfach mal aus!
Danke Matthias,
wenn das Lob von Dir kommt es besonders schön.
Hallo Julia,
es wird definitiv nicht die letzte Tour gewesen sein. Es gibt viel zu sehen und entsprechend dann viel zu zeigen. Kamera geht bei den großen Touren immer mit. :lol:
Hallo Geli,
ich war zwar nicht ganz so weit im Geräusch, aber bei dem Wetter waren wirklich nicht viele Menschen im Wald unterwegs.
Hat richtig Spaß gemacht!
Jun 23, 2010 @ 19:54:29
Absolut mein reden!