Massenphänomene

Gestern war ja wettertechnisch ein grandioser Tag rund um´s Steinhuder Meer. Schon am frühen Morgen, bei meinem kleinen Lauf, hatte sich der tolle Tag abgezeichnet. Und als wir unsere Kleine gegen 10:00Uhr zur Piratenfahrt zum Anlegesteg nach Steinhude brachten, herrschte tolles Wetter mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen.
Es sah nach einem richtig tollen Tag aus.

Als wir nach zwei Stunden Sightseeing in Wunstdorf wieder nach Steinhude zurückkehrten war das Chaos ausgebrochen. Unglaublich wo so viele Menschen auf einmal herkommen. Jedenfalls war es schon ein kleines Wunder einen Parkplatz zu ergattern.
Da wir aus einer doch einigermaßen dicht besiedelten Region kommen, sind uns solche “spontanen” Ansammlungen ja nicht unbedingt fremd. Und durch die Tatsache, dass wir eher die Frühaufsteher sind, umgehen wir diese auch meistens sehr suverän. Wenigstens soweit es uns möglich ist.

Für den Mittag war eine Radtour zur alten Moorhütte geplant. Auf Grund der Vorkommnisse am Mittag verlegten wir diese Tour ein wenig in den späten Nachmittag. Wie sich herausstellen solle, ein sehr kluge Entscheidung!

Es herrschte immer noch Großkampftag. Rüstige Rentner mit getunten Fullys die für jede Transalpmission in der Grundausstattung geeignet wären. Vollgepackt mit Kisten voll Getränken um locker durch die Sahara zu fahren. Bei insgesamt 20 Höhenmetern auf ungefähr 30-35 Kilometern rund um den ganzen See schon zwingend erforderlich.
Etwas fahrig und hektisch in Ihren Bewegungen, so das beim eleganten Absteigen schon mal der eine oder andere rechts in den Büschen verschwand. Meistens kletterte er genauso hektisch wieder zurück als wäre nichts gewesen. Wahrscheinlich musste Mami am Abend so einige Knochen wieder zurechtrenken.

Erschwerend kamen zu den rüstigen Rentnern die “normalen” Rentner und die Radler, welche wenigsten im Urlaub mal an ihre Gesundheit denken. Jedenfalls kurzfristig. Sozusagen zwischen Zwiebelbergschnitzel mit Bratkartoffel am Mittag und geräuchertem Aal mit Kartoffelsalat am Abend. Zwar etwas eingeschränkt, durch den riesigen Bauchumfang beim Aufsteigen, aber wenn sie mal im Rollen sind lediglich durch eine Rast mit Weizenbier und einem Eisbecher in Pokalgröße zu stoppen. Hat man sich nach drei Kilometern Radeln auch schließlich verdient. Die ersten die ich entdeckt hatte lagen keuchend auf einer Parkbank. Ein erschreckendes Bild. Was aber nach 5 Kilometern Radfahren nachvollziehbar ist. Schließlich ist man “ein klein bisschen ausser Form”.

Die pubertierenden Jugendlichen, mit Schildkappen deren Schildgröße eine geradeaus schauen zwingend vorschreiben, um nicht links oder rechts an den Bäumen im Moor hängen zu bleiben, lasse ich hier mal ganz aussen vor. Die sind zu jeder Zeit überall unterwegs. Man sieht sie öfters auf beiden seiten des Weges liegen, da sie entweder mit ihren offenen Schnürsenkeln oder ihren runtergerutschten Hosen, in die Speichen geraten sind. Lästige, aber meistens harmlose Zeitgenossen.

Jetzt aber kommen noch die ganz gefährlichen Zeitgenossen hinzu. Abhängig von der Windrichtung erkennt man sie schon Meilen bevor sie in Sichtweise geraten. Nach der unverwechselbaren Aura einer Douglas-Filiale hört man sie drohend näher kommen. Meistens Damen im mittleren Alter, die normalerweise bei ihrer “sportlichen” Freizeitbeschäftigung mit Stöcken bewaffnet sind. Die Stöcke werden einfach gegen Räder ersetzt, und schon fallen sie in Horden in die Naherholungsgebiete ein. Natürlich mindestens in Zweierreihen. Schließlich ist dies auf einem 1.5m breiten Radweg mit ein bisschen Übung problemlos machbar. Und Gegenverkehr oder sogar schnellere Zeitgenossen sollen sich gefälligst hinten anstellen.

Ich habe das ganze Schauspiel genossen. Ich habe schließlich Urlaub!
Also genießen wir unsere Fahrt zwischen dem Sammelsurien des menschlichen Lebens. Genießen ein schönes Abendessen. Und fahren etwas später nach Hause. Wenn alle bei Ihrem wohlverdienten Zwiebelbergschnitzel mit Bratkartoffeln sitzen.

Heute ist das Wetter wieder unfreundlicher und der ganze Spuk ist vorbei. Und ich freue mich darauf, dass meine Kleine mich morgen in aller Früh weckt, damit ich meine Runde in aller Ruhe durch´s Moor drehen kann!

Es ist schön wenn man Urlaub hat!

Ein paar Bilder der Tour habe ich einfach an die gestrigen angehängt und eine Diashow beim letzten Beitrag draus gemacht.