Grenzwertig!

Beim Blick aus dem Fenster heute Morgen hatte ich schon ein ungutes Gefühl. Alles mit Schnee bedeckt. Das konnte ja heiter werden.
Im Vertrauen auf meine neuen Spikes machte ich mich wagemutig auf den Weg zur Arbeit.

Aber 5cm Pulverschnee zeigten mir spätestens nach einem Kilometer wo der Hammer hängt. Mann war das anstrengend.
Ich hatte ständig das Gefühl bergauf zu fahren. Keine Zeit mal Laufen zu lassen.
Ständig in die Pedale treten und dabei das Gleichgewicht halten.
Auf dem Radweg kam dann zusätzlich wieder der Schnee der Räumfahrzeuge hinzu.
Und von oben gab es ständig Nachschub.

Mein Puls schraubte sich immer weiter nach oben. Die Oberschenkel fingen an zu brennen.
Der Schweiß tropfte in meine Brille. Sicht gegen Null!

Dann geht es bergab. Aber auch hier ist gleichmäßiges treten Pflicht.
Kein Rollen lassen. Treten. Treten. Treten.

Das kurze Stück über die Landstraße habe ich das Gefühl zu schweben.
10 Meter die sich anfühlten als hätte ich einen Motor.
Unglaublich wie leicht Radfahren sein kann.

Dann wieder in den Wald. Alle Sinne angespannt.
Aufpassen, dass einem das Hinterrad nicht überholt.
Wusste gar nicht das ich so ein gutes Gleichgewichtsgefühl habe.
Stress. Anspannung. Anstrengung.

Nach gut 70 Minuten vollstem Einsatz bin ich auf der Arbeit.
Meine schnellst Zeit war bisher 32 Minuten! ;-)

Die heiße Dusche tut gut.
Am liebsten wäre ich ins Bett gefallen!
www.rokey.net
Ich hatte die Hoffnung heute Abend wäre der Radweg geräumt.
Leider blieb es bei der Hoffnung.
Es war schlimmer als Morgens.
Die Räumfahrzeuge von der Straße hatten ganze Arbeit geleistet.

Jeder Meter ist eine Quälerei.
Spur halten ist reine Glückssache.
Die Hinterräder drehen trotz Spikes durch.
Ein ständiger Balanceakt.
Ich schwitze wie ein Schwein.
Irgendwann beschlägt wieder die Brille.
Die eingeschränkte Sicht macht es nicht einfacher.
Ich versuche in meiner Spur vom Morgen zu fahren.
Dann kommt der Mainzer Berg.
Der Puls jagt wieder in die Höhe.
Ich keuche unter meiner Facemask.
Rutschen. Treten. Balancieren.
Ein Höllenritt. Es tut weh.
Es ist anstrengend. Ich mag nicht mehr.
Wenn ich anhalte komme ich nicht mehr in die Gänge.
Also weiter. Immer weiter.
Rutschend. Fluchend!

Oben angekommen drehen die Räder endgültig durch. Ich kippe nach rechts Richtung Graben.
Kann mich gerade noch abfangen bevor ich im Wasser lande.
Voller Schnee. Keuchend und zitternd vor Schwäche.
Ich liege oben angekommen über mein Rad gebeugt.
Dampfe wie ein Kühlturm am Kraftwerk.
Keine Kraft und keine Lust mehr.
Jetzt geht es bergab. Zu gefährlich!

Ich weiche auf die Landstraße aus.
Vom Schnee geräumt.
Eine Wohltat.
Die Autos sind mir zum ersten Mal seit langer Zeit egal.
Es ist unverantwortlich den Radweg hinunter zu fahren.
Ich genieße die Geschwindigkeit auf der Straße! ;-)

Nach gut einer Stunde bin ich zu Hause.
Fertig!
Ich will nur noch in die Wanne!

Und Morgen?????
Da fahre ich mit meiner Kollegin zur Arbeit.
Da will ich einfach nur ein Weichei sein!
Ich habe es mir nämlich verdient!